November-Ausgabe seit 18. Oktober am Kiosk!

Die Nummer 11/2019 (November) von STRASSENBAHN MAGAZIN ist seit 18. Oktober im Handel erhältlich. Freuen Sie sich auf die spannende Titelgeschichte über 30 Jahre Niederflur-Fahrzeugtechnik bei deutschen Betrieben und viele weitere aktuelle und historische Beiträge aus der Welt der Straßenbahn! Händler in Ihrer Nähe, bei denen Sie das Heft erhalten, finden Sie übrigens unter www.mykiosk.com
 
 

Von Blackpool nach Fleetwood

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Allen Oldtimern voran fuhr der wohl wichtigste Wagen überhaupt: Der offene Doppeldecker Tw 4, heute Eigentum des Museums Crich und nationales Technikerbe sowie ältester erhaltener elektrischer Straßenbahntriebwagen Englands, entstammt der Anfangsflotte des Unternehmens von 1885. Da eine Rekonstruktion der ursprünglich unterirdischen Stromzufuhr nicht mehr durchführbar war, musste der Wagen batteriebetrieben  verkehren. Gastwagen aus unterschiedlichen Museen des Landes und sogar aus dem irischen Dublin folgten. Im Juli 1998 stand dann das 100-jährige Jubiläum der Strecke nach Fleetwood auf dem Programm und wieder wurde mit Gastwagen aus dem ganzen Land gefeiert. Doch der Betrieb hatte zu diesem Zeitpunkt drängende Sorgen. Schließlich sind in Blackpool seit eh und je Anlagen und rollendes Material starken Belastungen durch die salzhaltige Seeluft ausgesetzt. Lange Zeit verhinderte die finanzielle Lage des Unternehmens Maßnahmen, um hierauf angemessen zu reagieren. Gravierender jedoch schlug das Alter der Fahrzeuge zu Buche, wodurch ihr Unterhalt sich immer schwieriger gestaltete. Netzerweiterungen, die neue Fahrgastpotentiale und damit Einnahmequellen hätten erschließen können, standen zwar immer wieder zur Diskussion, eine Umsetzung erfolgte jedoch nicht. Der Schwebezustand, in dem sich das Unternehmen befand, ließ gesicherte Aussagen für die Zukunft des Betriebes in jenen Jahren nicht zu. Wollte man den einzig überlebenden Trambetrieb des landesweiten 1950er-Jahre-Kahlschlags nun im Stich lassen, wo andernorts bereits wieder Trambetriebe entstanden? Es sollte noch bis 2006 dauern, bis Regierung und Regionalparlament endlich annähernd 12 Mio. Pfund für Erstmaßnahmen zur Verfügung stellten. Mit diesem Betrag konnte die Modernisierung von Strecke und Stromversorgung angegangen werden. Das dringend nötige neue Unterwerk in Fleetwood ließ sich endlich realisieren. Die Gleissanierung begann auf dem südlichen Streckenstück zwischen Manchester Square und Starr Gate, weitere dringend notwendige Maßnahmen führten zur Einstellung des Trambetriebes nach Ende der Saison 2007 bis zum Beginn der Saison Ostern 2008. Erst im Januar 2008 konnte die Zukunft des Unternehmens endgültig gesichert werden. Endlich bewilligten Regierung und Regionalparlament Mittel in dem Umfang, der für eine grundlegende Sanierung sowie die dringend notwendige Neubeschaffung von Fahrzeugen erforderlich ist. Mit rund 85 Mio. Pfund war nun Planungssicherheit gegeben. Bis 2012 soll die vollständige Erneuerung der Strecke abgeschlossen sein. Sechzehn neue Gelenkwagen werden dann im Grundverkehr weitestgehend die betagte Flotte ablösen. Bei Starr Gate am südlichen Ende ist die Errichtung eines neuen Depots vorgesehen. Darüber hinaus wird untersucht, ob eine Nutzung der so genannten »South-Fylde-Line« nach Preston für einen Betrieb mit Hybridfahrzeugen realisierbar ist. Das Einzugsgebiet der Tram in Blackpool würde dadurch eine erhebliche Ausweitung erfahren. Diskussionen über mögliche Verlängerungen der Tramstrecke erfolgten mehrfach, führten jedoch bisher nicht zu konkreteren Planungen. So wurde Anfang der 1990er-Jahre erwogen, eine Verbindung von der Promenade zum Bahnhof Pleasure Beach zu schaffen. Wahrscheinlich hätte eine Umsetzung unter den damaligen Voraussetzungen die Einstellung des nördlichen Promenaden-Astes nach Starr Gate zur Folge gehabt. Momentan werden Verlängerungen am südlichen Ende in Starr Gate nach St. Annes und in am nördlichen in Fleetwood diskutiert. Abgesicherte Aussagen über Realisierungshorizonte waren kurzfristig offiziell nicht zu erhalten.

Die Fahrzeuge

In den 1960er-Jahren wurden nach Stilllegung der Linie nach Marton die meisten der zu diesem Zeitpunkt noch vorhandenen Altbautriebwagen verschrottet. Und trotzdem: Bis auf den heutigen Tag prägen überwiegend Fahrzeuge aus den 1930er-Jahren das Erscheinungsbild des Betriebes. Durch in den 1980er-Jahren hinzugekommenen Neubau-Triebwagen ergibt sich dabei ein interessanter Kontrast. Viele der eleganten »Balloons« der Serie 700 bis 726 von 1934 (bis 1968: 237–263) stehen nach wie vor gemeinsam mit den aus Busteilen gefertigten acht Eindecker-Triebwagen des Typs »Centenary« aus der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre im Einsatz. Darüber hinaus gehören interessante Kleinserien wie die aus Umbau-Triebwagen und Neubau-Beiwagen bestehenden »Twin Cars« sowie im Eigenbau unter Verwendung von »Balloon«-Teilen gefertigte Doppeldecker (»Jubilee Cars« mit elektronischer Steuerung, neuen Drehgestellen und Klimatisierung) und die scheinbar unverwüstlichen letzten Exemplare der »Railcoaches« von Brush (Baujhar 1935) zur Flotte.

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siehe Bildunterschrift
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