Die sechs- und zwölfachsigen Gelenkwagen der Rhein-Haardtbahn

Die Rhein-Haardtbahn ist eine meterspurige, elektrische Überlandbahn, die von Bad Dürkheim bis Ludwigshafen-Oggersheim fährt; von dort auf innerstädtischen Gleisen weiter bis nach Mannheim. Von M. Kochems
Zur Erneuerung ihres Fahrzeugparks erwarb die Bahn ab Ende der 1950er-Jahre mehrere Düwag-Gelenkwagen, die im Vergleich zu den Standardwagen jeweils einige Besonderheiten besaßen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand der Triebfahrzeugpark der RHB noch zum großen Teil aus Wagen der Anfangsbeschaffung von 1913, ergänzt durch einige wenige jüngere Fahrzeuge. Mitte der 1950er-Jahre wurde daher die Frage einer modernen Ersatzbeschaffung immer drängender. Neben der steigenden Schadanfälligkeit der alten Fahrzeuge, sowie deren fehlendem Komfort und Leistungsfähigkeit, spielte auch der Zwang zur Rationalisierung durch eine Begrenzung des Personaleinsatzes eine Rolle.
Gelenktrieb- und -beiwagen
Im November 1957 konnte die Unternehmensführung nach Zusicherung einer entsprechenden Förderung durch das Land Rheinland-Pfalz zwei moderne ­Gelenk­wagen-Züge bei der Düwag bestellen. Diese bestanden jeweils aus einem sechsachsigen Einrichtungs-Triebwagen und einem, in Deutschland bis dahin und auch anderswo nicht verwendeten, sechsachsigen Gelenk-Beiwagen mit Jacobs-Drehgestell.
Diese Kompositionen sollten von der Kapazität jeweils einen Zug aus einem vierachsigem Trieb- und drei Beiwagen ersetzen. Sie sollten die Betriebsnummern 1123 und 1124 (Triebwagen), sowie 1217 und 1218 (Beiwagen) erhalten.
Ein gutes Jahr darauf wurden am 22. Dezember 1958 der Triebwagen 1123 und der Beiwagen 1217 ausgeliefert. Noch vor Jahresende fanden erste Testfahrten zwischen Bad Dürkheim und Ludwigshafen statt. Die Fahrzeuge liefen anfangs auf der RHB Außenstrecke unter einer Fahrdrahtspannung von 1.200 Volt Gleichstrom.
Am 29. Januar 1959 kam die zweite Garnitur aus Tw 1124 und Bw 1218 zur RHB. Nach den erfolgreichen Testfahrten wurden die neuen Fahrzeuge ab 19. Februar 1959 planmäßig eingesetzt. Mit den neuen Wagen konnte die Fahrzeit zwischen Bad Dürkheim und Mannheim im Abendverkehr von 60 auf 52 Minuten verringert werden.
Über einige Jahre waren die beiden Garnituren die einzigen Personenfahrzeuge, die sich im Eigentum der RHB befanden, da alle übrigen Wagen von Mannheim oder Ludwigshafen gestellt wurden.

Mannheimer für die RHB
Nach dem Erfolg der beiden neuen RHB-­Gelenkwagenzüge bestellte die Mannheim-Ludwigshafener Straßenbahn, die den Betrieb auch auf der RHB führte, im Sommer 1959 zwei baugleiche Züge. Im Juni und Juli 1960 wurden die Triebwagen 1011 und 1012 sowie den Beiwagen 1051 und 1052 angeliefert. Die Abnahme und der Einsatz im Personenverkehr erfolgten bereits im August 1960. Bei der Trennung des Betriebes 1965 in die Mannheimer und die Ludwigshafener Straßenbahn verblieben sie zunächsts in Mannheim.
Nach dem großen Erfolg der Vorauszüge wurden am 11. Januar 1963 sechs weitere Garnituren aus ET6 und EB6 bestellt, die aufgrund der Bestellung durch die Mannheim-Ludwigshafener Straßenbahn die Nummern 1013-1018 (Triebwagen) und 1053-1058 (Beiwagen) erhielten.

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