Die VAG und ihre sechs neuen Niederflurwagen von CAF

Freiburg vor dem Generationswechsel - Gnadenfrist für die letzten sechs GT8K bis 2017

Die VAG in Freiburg bekommt gerade sechs Niederflurwagen von CAF geliefert – trotzdem mustert sie die letzten sechs hochflurigen GT8K nicht aus. Sie müssen noch mindestens zwei Jahre durchhalten. Aber warum und wo werden sie weiter eingesetzt?

Eigentlich scheint der Fall klar zu sein: Wenn ein Betrieb sechs neue Fahrzeuge bekommt, dann kann er im Gegenzug sechs alte Fahrzeuge ausmustern. Soviel zur Theorie, die Praxis sieht anders aus – zumindest in Freiburg!

Die Stadt im Breisgau bekommt seit März sechs Urbos-Niederflurwagen des spanischen Herstellers CAF geliefert und könnte damit theoretisch die letzten sechs durchgehend hochflurigen GT8K der Baujahre 1981/82 von Düwag ersetzen.

Doch anstatt die Achtachser aufs Abstellgleis zuschieben, bleiben sie noch mindestens zwei Jahre – bis voraussichtlich Mitte 2017 – im Einsatz. Aber wie kommt es dazu?

Zu „verdanken“ haben die Hochflurwagen ihre letzte Gnadenfrist der Neubaustrecke zur Freiburger Messe, welche die Freiburger Verkehrs AG (VAG) im Dezember dieses Jahres in Betrieb nehmen möchte. Für die künftige Linie 4 werden dringend zusätzliche Wagen gebraucht – die sechs Neufahrzeuge von CAF.

Erst im Laufe des Jahres 2017 kommt dann die zweite Charge bestehend aus sechs weiteren Urbos-Niederflurwagen nach Freiburg, die dann tatsächlich die letzten sechs GT8K endgültig überflüssig machen.

Für die VAG geht damit im Jahr 2017 ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Dann werden ausschließlich Fahrzeuge eingesetzt, die mindestens einen niederflurigen Einstieg besitzen!

Einmalige Konstruktion für Freiburg

Zugegeben: Was die Barrierefreiheit angeht, können die GT8K einfach nicht mit heutigen Standards mithalten. Trotzdem müssen wir kurz daran erinnern, dass diese Fahrzeuge in Freiburg einmal der letzte Schrei waren.

Zuerst: die Konstruktion – sie ist in dieser Form einmalig. Wegen der teils engen Gleisbögen im Freiburger Netz baute die Düwag die GT8K ohne die sonst üblichen Jacobsdrehgestelle.

Stattdessen befinden sich die Drehpunkte unter dem Mittelteil, also kurz nach dem ersten Gelenk und kurz vor dem zweiten. Das ermöglicht den Wagen, bei einer Länge von 34 Metern auch engste Bögen im Netz zu befahren.

Dann: der Fahrkomfort! 1971 und 1972 baute die Düwag die erste Serie Achtachser für Freiburg mit den Wagennummern 201 bis 204, sie erhielten noch eine Geamatic-Steuerung.

In den Jahren 1981/82 folgte die zweite Serie mit den Wagennummern 205 bis 214 und einer Gleichstromsteller- Steuerung. Sie ermöglichte ein für damalige Verhältnisse ungewohnt sanftes Anfahren und Bremsen und macht die Mitfahrt in den GT8K bis heute sehr angenehm.

Sie bleiben auch weiterhin im Linieneinsatz – die letzten sechs GT8K der VAG. Am 10. März 2014 bediente Tw 213 auf der Fahrt nach Haid die Haltestelle Reiterstraße. Im Inneren haben sich die robusten Düwag-Achtachser bis heute kaum verändert.

Sie bleiben auch weiterhin im Linieneinsatz – die letzten sechs GT8K der VAG. Am 10. März 2014 bediente Tw 213 auf der Fahrt nach Haid die Haltestelle Reiterstraße. Im Inneren haben sich die robusten Düwag-Achtachser bis heute kaum verändert.

Der Verbleib der GT8K

Aber welche dieser stolzen Wagen sind bis heute übrig geblieben? Die vier Urfahrzeuge 201 bis 204 wurden nach ihrer Abstellung kurz nach der Jahrtausendwende während der Combino-Krise ab 2004 noch einmal in Freiburg eingesetzt und kurze Zeitspäter ins zentralpolnische Lodz verkauft.

Der dortige Verkehrsbetrieb ließ Tw 204 im Jahr 2012 verschrotten, die übrigen Fahrzeuge warten teils ausgeschlachtet auf ihr Ende.

Den Tw 207 führte die VAG im Jahr 2007 in Freiburg dem Rohstoffkreislauf zu. Die Tw 208 und 209 kamen ein Jahr später nach Ulm, die dortigen Stadtwerke setzten sie dort zu einem Zweirichtungs-Schleifwagenzusammen.

Und auch für die restlichen GT8K sah es zwischendurch nicht so gut aus: Die VAG nutzte sie nur ganz selten im Tagesverkehr, hauptsächlich waren sie in der Frühspitze und im Fußball-Verkehr unterwegs.

Nichtsdestotrotz hat die VAG ihre hochflurigen „Schätzchen“ immer vorbildlich gepflegt – und das zahlt sich aus!

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Fotos: 
Michael Kochems, Christian Lücker
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