Unsere Frage des Monats aus Heft 07/15

ÖPNV per Flatrate?

  • Können Sie sich das in Ihrer Heimatregion vorstellen: Jeder Bürger zahlt monatlich 20 Euro, dafür entfällt für ihn in allen Straßenbahnen, Bussen und anderen öffentlichen Nahverkehrsmitteln des regionalen Verkehrsverbundes die Fahrscheinpflicht. Ein Szenario das die ÖPNV als Möglichkeit in Betracht zieht…

Sie könnten mit dieser „Flatrate“ durch die ganze Stadt und deren Umfeld fahren – so oft und so lange Sie will. Grundlage für ein solches Modell ist also die (Zwangs-)Teilnahme aller Bürger – ganz egal ob der Einzelne die ÖPNV-Angebote nutzt oder nicht.

Das klingt für alle Monatskartenkäufer vermutlich auf Anhieb attraktiv, liegen die Kosten für solche Nutzungsberechtigungen in ganz Deutschland doch deutlich über dem eingangs genannten Betrag.

Wer hingegen – aus welchen Gründen auch immer – nie oder nur selten mit Bus und Bahn unterwegs ist, der wird vermutlich sofort lautstark protestieren.

Nachdem der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV) innerhalb einer Finanzierungsstudie im Oktober 2014 ein solches „Bürgerticket“ als Möglichkeit zur zukünftigen Finanzierung des ÖPNV in der Region Halle/Leipzig vorgestellt hatte, hagelte es prompt auch Protest.

Um es vorwegzunehmen – für den Vorschlag gab es keine Mehrheit, stattdessen erhöhen sich ab 1. August 2015 die Fahrpreise im Gebiet des MDV. Eine Einzelfahrt mit der Straßenbahn kostet dann in Leipzig 2,50 Euro – zehn Cent mehr als seit August vorigen Jahres notwendig; in Halle steigt der Fahrpreis von 2,10 Euro auf 2,20 Euro.

So manch Stammfahrgast wird sich wehmütig an den Vorschlag des MDV erinnern, wenn er auch für die Monatskarte bald wiedertiefer ins Portemonnaie greifen muss. Für Gelegenheits-ÖPNV-Nutzer erscheinen 2 0Euro pro Monat ebenfalls attraktiv – die Frage ist, warum die Bürger, die aus unterschiedlichen Gründen nicht oder fast nie mit Bussen und Straßenbahnen unterwegs sind, der zuerst aufgezählten Bevölkerungsgruppe die ÖPNV-Nutzung mitbezahlen sollten?

Und 240 Euro pro Jahr sind kein Pappenstiel!

Andere Verkehrsverbünde halten sich mit derartigen Vorstößen entsprechend zurück. Christian Schlemper, der Pressesprecher des Verkehrsverbundes Oberelbe, in welchem unteranderem die Dresdner Verkehrsbetriebe unterwegs sind, erklärt beispielsweise: „Wir sind der Meinung, dass das jetzige Modell, bei dem die Fahrgäste und die Allgemeinheit jeweils etwa die Hälfte der Kostenübernehmen, einen guten Kompromisszwischen Eigenbeteiligung und öffentlicher Bezuschussung darstellt.“

Doch was sagen Sie, lieber Leser, zum Vorschlag, allen Bürgern einheitlich einen festen Obolus pro Monat für die ÖPNV-Nutzung abzuverlangen?

Unsere Frage des Monats:

Was halten Sie von der Idee, von jedem Bürger 20 Euro pro Monatfür die ÖPNV-Nutzung einzuziehen? 

Schreiben Sie uns Ihren Standpunkt per E-Mail an: redaktion@strassenbahn-magazin.de. Die interessantesten Zuschriften veröffentlichen wir in der nächsten Ausgabe oder hier an dieser Stelle.



Es ging unter anderem diese Antworte ein: 

Volker T. aus Jerichow schreibt:

„Will Deutschland wirklich das Klima retten? Dann gibt's gar keine Alternative dazu. Das Prinzip gibt's ja schon beim Fernsehen und wäre beim ÖPNV bestimmt nicht so kritisch zu sehen. Es müsste jedoch deutschlandweit gelten und für alle Verkehrsmittel, die als umweltbewusst gelten. Geklärt werden müsste auch, wie die ausländischen Nutzer beteiligt werden und welche Mindeststandards im Angebot sein sollten (brauchen 100-Einwohner-Dörfer alle 15 Minuten einen Bus?)."

Dominik K. aus Duisburg schreibt:

„Ich finde das eine gute Idee, dass jeder Bürger 20 € als Nahverkehrsabgabe zahlt. Man könnte dann besser in den ÖPNV investieren – gerade in Duisburg (marode Fahrzeuge, veraltete Technik usw.) wäre eine solche Abgabe sinnvoll. In Frankreich gibt es eine Abgabe für den ÖPNV und es werden Straßenbahnstrecken neu gebaut oder ausgebaut sowie neue Straßenbahnwagen beschafft und in Dienst gestellt."

Michael M. aus Biedenkopf schreibt:

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Michael Sperl
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