November-Ausgabe seit 18. Oktober am Kiosk!

Die Nummer 11/2019 (November) von STRASSENBAHN MAGAZIN ist seit 18. Oktober im Handel erhältlich. Freuen Sie sich auf die spannende Titelgeschichte über 30 Jahre Niederflur-Fahrzeugtechnik bei deutschen Betrieben und viele weitere aktuelle und historische Beiträge aus der Welt der Straßenbahn! Händler in Ihrer Nähe, bei denen Sie das Heft erhalten, finden Sie übrigens unter www.mykiosk.com
 
 

Und 1974 war dann Schluss...

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Fahrplanwechsel und  Obusbetrieb in Aachen 
Dieser Fahrplanwechsel war auch gleichzeitig der Start des Aachener Verkehrsverbundes (AVV). Angegliedert waren neben der ASEAG auch Bundespost und Bundesbahn, die ein 1.400 Quadratmeter großes Gebiet bedienten, in dem 850.000 Einwohner lebten. Neben der letzten Straßenbahnlinie 15 verkehrten 61 Buslinien mit einer Gesamtlinienlänge von 1.150 Kilometern. 50 Millionen Fahrgäste brachten im ersten Verbundjahr 30 Millionen DM ein. 

Im Jahre 1974 brach das letzte Betriebsjahr der Straßenbahn an. Zum 3. Februar 1974 erfolgte das Aus der „Gleislosen Elektrischen“. Hierbei handelte es sich um die einzige, aber sehr lange Obuslinie 51 (Aachen, Hansemannplatz – Würselen – Alsdorf – Baesweiler), die 19,9 Kilometer lang war und am 2. Januar 1944 als Linie 31 in Betrieb gegangen war.

Aufgrund von Kriegshandlungen wurde sie wenige Monate später am 13. September 1944 eingestellt und das gesamte Fahrleitungsmaterial abgebaut. Nur einige Mastfragmente waren erhalten geblieben. Am 21. November 1948 ging das erste Teilstück der jetzt als Linie 51 bezeichneten Obuslinie zwischen Alsdorf und Baesweiler wieder in Betrieb.

Mit der Inbetriebnahme der Wendeschleife am Hansemannplatz im Zentrum von Aachen erhielt die einzige Obuslinie am 1. Juli 1949 ihre ursprüngliche Länge von 19,9 Kilometer zurück und war nach der Obusfernlinie zwischen Wilhelmshaven und Jever die zweitlängste Obuslinie Deutschlands. Ähnlich wie bei der Straßenbahn konnten ab 1968 bei den eingestellten Obusbetrieben in Marburg, Siegen und Bielefeld fast neuwertige Henschel-Gelenkobusse erwerben.

Im Folgenden baute die ASEAG sie in eigener Werkstatt auf Einmannbetrieb um, bevor sie eingesetzt wurden und täglich fast 7.000 Fahrgäste beförderten.

Gnadenfrist bis September 
Die Straßenbahnlinie 15 erlebte als letzte Gnadenfrist noch einmal Frühling und Sommer. Als der Herbst kam und die Natur sich auf den Winter vorbereitete, verabschiedete sich die Aachener Straßenbahn an einem sonnigen Samstag – dem 28. September 1974 – nach 94 Jahren. 

Wurde der Betrieb ab 7 Uhr planmäßig zwischen Brand und Vaals im 7/8-Minuten-Takt aufgenommen, so rückten ab 14 Uhr die ehemaligen Oberhausener Wagen ein, und die Talbot-Großraumwagen verstärkten im Konvoi hinter einem ehemaligen Mönchengladbacher Gelenkwagen den 15-Minuten-Takt auf der gesamten Strecke, die nun kostenlos benutzt werden konnte. 

23.58 Uhr, mit drei Minuten Verspätung, erreichte die letzte Tram die Endstation Brand, die dort von den Anwesenden zur letzten Fahrt begrüßt wurde. Um 0.01 Uhr ging es nach kurzer Schienenblockade zurück Richtung Kaiserplatz. An der Station Rothe Erde – um 0.17 Uhr – erfolgte noch einmal ein Fahrerwechsel durch das in Scharen mitgereiste Personal, da Fahrer Josef Johnen es sich nach 24 Jahren Fahrdienst nicht nehmen lassen wollte, die letzte Bahn noch ein Stück selber zu fahren.

Um 0.19 Uhr stieg der letzte Fahrgast an der Scheibenstraße ein und wurde mit einem Glas Sekt begrüßt. 0.21 Uhr, der Kaiserplatz war erreicht; Schluss, aus, vorbei! Autogrammjäger bestürmen den letzten Fahrer Josef Johnen. Die Aachener Straßenbahn war im regulären Betrieb Geschichte.

Abschied mit Konvoi
Am nächsten Tag – am Sonntag, dem 29. September – fuhr letztmalig ein Straßenbahnkonvoi, angeführt von einem Pferdebahnwagen, die Strecke vom Betriebshof Scheibenstraße über Kaiserplatz, Adalbert-Stein-Weg bis zur Schleife Elisenbrunnen und zurück.

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