Normalspur Bad Herrenalb

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Weiter nach Herrenalb
Die Hoffnung, dieses Gleis direkt verwenden zu können, scheiterte an dessen Zustand, weshalb auch hier neu gebaut werden musste. Dazu wurde am 4. Januar 1960 der Schmalspurbetrieb zwischen Ettlingen-Stadt und Busenbach eingestellt. Omnibusse beförderten im Schienenersatzverkehr die Fahrgäste nach Busenbach. Die Arbeiten schritten rasch voran, so dass bereits ab 15. April 1960 die Gelenkzüge der AVG bis Busenbach fuhren. Eine Schleife hinter der alten Hauptwerkstatt der Albtalbahn erlaubte das Wenden der Gelenkzüge.
In die verbliebenen Schmalspurzüge nach Ittersbach musste in Busenbach umgestiegen werden. Den Schmalspurbetrieb von Busenbach nach Etzenrot hatte man inzwischen auch schon eingestellt (1. Februar 1960) und durch Omnibusse ersetzt, um ungehindert die Umspurung und Elektrifizierung durchführen zu können. Deshalb konnte man bereits ab 12. Mai 1960 mit den Gelenkzügen nach Etzenrot fahren. Dabei fuhren die Triebwagen nach Wenden in der Schleife Busenbach rückwärts nach Etzenrot, bedient vom Hilfsführerstand am Heck. Dort konnte nun noch einige Wochen in die Schmalspurbahn nach Herrenalb umgestiegen werden.
Aber dies war auch bald zu Ende, denn der verbliebene Schmalspurbetrieb im Tal nach Herrenalb wurde am 20. Juni 1960 endgültig eingestellt und ab Etzenrot durch Omnibusse ersetzt. Die auf diesem Abschnitt eingesetzten Schmalspurfahrzeuge wurden bis auf eine Mallet-Dampflok alle in Herrenalb verschrottet. Am 12. Dezember 1960 konnte dann der Normalspurbetrieb schon bis Marxzell ausgedehnt werden.
Auch Richtung Herrenalb wurde kräftig weitergebaut. Hier musste vor allem eine Wendeschleife errichtet werden, die man aus Platzgründen um das Empfangsgebäude herum legte. Am 1. September 1961 war es dann endlich soweit, der Normalspurbetrieb bis Herrenalb wurde unter großem Anteil der Bevölkerung aufgenommen. Auch viele Prominente, an der Spitze Ministerpräsident Filbinger, waren bei der Eröffnung dabei.
Damit war das erste Ziel der AVG, die Umspurung der Albtalbahn bis Herrenalb, mit einem Aufwand von etwa 20 Mio. DM erreicht. Nach der Umspurung wurde ­immer wieder die Infrastruktur der Albtalbahn verbessert. 1966 wurde der Betriebsfunk eingerichtet. 1967 wurde in Ettlingen-Stadt ein Gleisbildstellwerk in Betrieb genommen, das die gesamte Strecke der Albtalbahn überwacht und fernsteuert. Bis dahin galt auf dem eingleisigen Abschnitt zwischen Ettlingen-Freibad und Busenbach das Stabverfahren, das leider 1965 dort noch zu einem Zusammenstoß geführt hatte.
Die induktive Zugsteuerung, mit der alle Fahrzeuge seit 1970 ausgerüstet sind, erlaubt im Zusammenhang mit einer Reihe von Blocksignalen einen dichten Verkehr. Zwischen Karlsruhe und Ettlingen heute im 10-Minutventakt, verdichtet mit Eilzügen, zwischen Ettlingen und Bad Herrenalb (seit 1971 Bad Herrenalb) bzw. Ittersbach im 20- und 40-Minuten-Takt.

Ausbau der Infrastruktur
Nach Einführung der induktiven Weichensteuerung (IWS) ab 1971 wurde das gesamte Netz so ausgebaut, dass sich die Züge selbstständig die Weichen in die richtige Lage stellen. Selbstverständlich haben alle wichtigen Weichen eine Weichenheizung, um im Winter Betriebsstörungen zu vermeiden.
Der Arbeitswagen 490 (der einstige Eröffnungstriebwagen 134) mit einem zweiten Stromabnehmer, über welchen die Fahrleitung mit Enteisungsmittel versehen werden kann, hilft bei Frost die Fahrleitungen freizuhalten. 1972 erhielten alle Haltestellen neue Wartehallen. Von 1965 bis 1978 brachte ein Auslieferungslager eines großen Versandhauses in der ehemaligen Fabrik in Etzrenrot-Neurod erheblichen Güterverkehr auf die Albtalbahn.
Seit 1962 verkürzen Eilzüge, zuerst nur an Sonntagen, heute aber auch werktags die Fahrzeit nach Karlsruhe Albtalbahnhof um einige Minuten. Damit sie ohne Halt zwischen Ettlingen-Wasen und Albtalbahnhof fahren können, schalten sie über ihre Zugkennung die Verkehrssignalanlagen auf diesem Abschnitt vorzeitig auf »Freie Fahrt«.

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