November-Ausgabe seit 18. Oktober am Kiosk!

Die Nummer 11/2019 (November) von STRASSENBAHN MAGAZIN ist seit 18. Oktober im Handel erhältlich. Freuen Sie sich auf die spannende Titelgeschichte über 30 Jahre Niederflur-Fahrzeugtechnik bei deutschen Betrieben und viele weitere aktuelle und historische Beiträge aus der Welt der Straßenbahn! Händler in Ihrer Nähe, bei denen Sie das Heft erhalten, finden Sie übrigens unter www.mykiosk.com
 
 

Flexity Outlook: Der Rivale

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Die Flexity-Familie
Wie schon im vierten Teil der Serie (SM 08/2010) erwähnt, hat der kanadische Mischkonzern Bombardier einen wahren »Gemischtwarenladen« an Straßen- und Stadtbahnfahrzeugen unter dem Markennamen »Flexity« zusammengefasst. Heute umfasst diese Familie vier Gruppen:
• Flexity Classic: 70-%-Niederflurfahr­zeu­ge auf Drehgestellen, ex LF-2000 (SM 08/2010)
• Flexity Outlook: 100-%-Niederflur-Mul­ti­ge­lenkfahrzeuge, ex Cityrunner und Eurotram
• Flexity Berlin: 100-%-Niederflurfahr­zeug für Berlin, aus dem Incentro von ADtranz weiterentwickelt
• Flexity Swift: Sammelbegriff für Zweisystemstadtbahnfahrzeuge  sowie Hoch- und Mittelflurwagen mit Kurzgelenk­wägelchen (K4000, K5000 u.a.)
Jedes einzelne Familienmitglied stellt im Grunde ein eigenständiges Fahrzeugkonzept dar. Der Flexity Berlin ist dabei eine Sonderentwicklung, die derzeit nur für Berlin gefertigt wird. Die Flexity Swift stellen eine eigene »Unterfamilie« dar. Hier haben sich mehrere, sehr unterschiedliche Konzepte versammelt, das reicht vom reinen Hochflurfahrzeug wie dem K5000 bis zu den schweren, EBO-tauglichen Saarbahnfahrzeugen oder Stadtbahnwagen für Porto und reinen U-Bahn-Wagen, so für Rotterdam.
Bei den 100-%-Niederflurwagen gibt es heute noch drei Varianten: Neben dem Flexity Outlook C, der aus dem »Cityrunner« hervorging und dem dieser Teil der Serie gewidmet ist, bietet BT den ehemaligen Incentro als »Flexity Berlin« an und führt noch immer – allerdings nicht mehr im Fertigungsprogramm – die zuerst von ABB entwickelte und dann über ADtranz zu BT ­gelangte Eurotram (Straßburg, Porto, Mailand) als Flexity Outlook E. Aus dem Outlook C wurde inzwischen der Flexity 2 weiterentwickelt, dessen erste Exemplare in diesem Jahr in Blackpool zum Einsatz kommen sollen.

Auf Losrädern durch Graz – die ersten Cityrunner
Als Graz seine ersten 100-%-Niederflur­bahnen bestellte, war nicht abzusehen, dass daraus eine große Familie werden sollte, die bis Ende 2010 rund 860 festgeorderte Fahrzeuge und rund 200 Optionen umfasst. Denn den »Cityrunner« schneiderte Bombardier für Graz nach Maß. Mit einer Länge von 27 Meter und einer Wagenbreite von nur 2,2 Meter wurde das Fahrzeug exakt der knapp bemessenen Grazer Gleisgeometrie angepasst. Dazu gehörte auch der geforderte Mindestradius von nur 17 Meter – engere Kurven gibt es in Basel oder München. Und die erfordern spezielle Lösungen, eine Erfahrung, die Siemens mit dem Combino teuer zu stehen kam. Ein weiteres spezielles Grazer Feature ist der extrem niedrige Einstieg von nur 290 mm über Schienenoberkante (SOK), damit ist auch ein bequemer Zugang von der Straßenoberfläche möglich, noch niedriger sind hier nur die Wiener ULFe. Um einen durchgehend niedrigen Fahrzeugboden zu gewährleisten, ging auch BT bei den Grazer Cityrunner zu Losradfahrwerken mit Achsnabenmotoren. Die Räder wurden radial einstellbar ausgeführt. Doch Losräder neigen, vor allem im antriebslosen Mittelmodul, zum Anlaufen und damit erhöhten Verschleiß. Nebenbei führt dies auch zu erhöhten Fahrgeräuschen, nicht nur, wenn die Räder vom Bremsen Flachstellen davongetragen haben.
Obwohl die Grazer Cityrunner sich ansonsten im Alltag bewährt haben, ging BT vom Losradfahrwerk ab und stellte die späteren »Cityrunner« auf Achsen.
So entwickelte BT aus dem Grazer Cityrunner ein neues, modular aufgebautes Fahrzeugkonzept, das sich von den Konkurrenzprodukten – auch denen aus eigenem Hause – vor allem durch die Achsfahrwerke unterscheidet. Ansonsten ist der ab etwa 2003 offiziell als Flexity Outlook C bezeichnete Cityrunner wie der Citadis oder der Combino ein aus Kopf- bzw. ­Endmodulen (auf angetriebenen Fahrwerken) mittigen Fahrwerkmodulen und dazwischen eingehängten Sänften – hier auch Brückenmodule genannt – zusammengesetztes Fahrzeug.
Heute bietet BT den Outlook C mit einer Einstiegshöhe von 320 bis 350 mm bei einer Fußbodenhöhe von 370 mm an, die über den Fahrwerken auf 450 bis 480 mm ansteigt. Die Fahrzeuge laufen heute auf konventionellen Achsfahrwerken, die als Quasi-Drehgestelle bezeichnet werden können und über Lemniskate und Längslenker seitliche Ausschläge von +/– 2° gegenüber dem Wagenkasten erlauben. Die primär und sekundär gefederten Fahrwerke sorgen für sehr gute Laufeigenschaften, die – besonders bei Bogenein- und -ausfahrt – anderen Multigelenkern überlegen sind, also den Fahrgast nicht übermäßig belasten oder bei flotter Fahrweise vom Sitz ziehen. Die Fahrwerke fertigt BT heute zentral im Werk Siegen. Auch bei der Lärmentwicklung ist der Outlook günstig im Vergleich zu den anderen.

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