Das Netz der „Bim“ wächst wieder

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Für beide Donaustädter Straßenbahnlinien besteht noch großes Ausbaupotenzial, das jedoch vom Baufortschritt beim Stadtentwicklungsgebiet „Seestadt Aspern“ abhängt. Auf dem 240 Hektar großen Gelände eines ehemaligen Flugplatzes sollen bis 2028 nicht weniger als 8.500 Wohnungen samt begleitender Infrastruktur sowie bis zu 20.000 Arbeitsplätze in den Bereichen Büro, Gewerbe, Wissenschaft und Bildung entstehen.

Damit bildet das Gelände das größte Stadtentwicklungsgebiet der Bundeshauptstadt. Die U2 erreicht bereits jetzt das Gelände der künftigen „Seestadt“, wo sich aber voraussichtlich noch längere Zeit „Fuchs und Hase gute Nacht sagen“ werden. Das einzige „Bauwerk“ das bis dato fertiggestellt werden konnte, ist nämlich der mit Grundwasser gespeiste See …

Linie 71 zur Börse 
Die Lösung der spezifischen Probleme von Durchgangslinien war eine Voraussetzung für die Umsetzung des „Ringlinienkonzeptes, Teil 2“, das die Verlängerung der bisher am Ring endenden Linie 71 (Kaiserebersdorf – Schwarzenbergplatz) über den Ring bis zur Börse vorsah.

Diese Forderung bestand schon seit der Einführung der U-Bahn im Jahre 1978, denn der Schwarzenbergplatz liegt genau eine Haltestelle vom zentralen Umsteigeknoten Oper/Karlsplatz (U1, U2, U4, 62, WLB) entfernt und durch die Weiterführung bis zur Börse ergeben sich außerdem direkte Umsteigemöglichkeiten zu zwölf weiteren Linien.

Die Verhandlungen mit den Anrainerbezirken Landstraße und Simmering gestalteten sich jedoch schwierig, denn die Wiener Linien wollten das Konzept nur „aufkommensneutral“ umsetzen, d. h. ohne Mehrkosten in der Betriebsführung. Es stand daher eine Streckung der Intervalle von vier auf sechs Minuten zur Debatte, obwohl die Linie 71 innerhalb des Bezirkes Simmering eine wich tige Zubringerfunktion zur U3 hat.

Zudem kämpfte Simmering massiv gegen die geplante Linienbezeichnung „4“ an, da man im Verlust des bereits seit 1907 existierenden Signals „71“ auch einen Identitätsverlust für den Bezirk sah. Aus den Verhandlungen ging ein Kompromiss hervor, wonach die in Spitzenzeiten alle drei bis vier Minuten verkehrende Linie 6 (bisher Burggasse Stadthalle – Zentralfriedhof, 3. Tor) nach Kaiserebersdorf verlängert wird und die in Simmering nur noch als Verstärkerlinie fungierende Linie 71 – weiterhin mit dem gewohnten Liniensignal – fortan in der Rela - tion Zentralfriedhof, 3. Tor – Börse verkehrt.

Proteste der Anlieger 
Diese Änderungen sind seit 9. Dezember 2012 in Kraft und die Anrainerproteste folgten prompt. Zum einen fielen die Intervalldehnungen bei der Linie 71 größer aus als angekündigt (alle sechs zwei Drittel Minuten Fickeysstraße am Abend, ganztägiges 10-Minuten- Intervall am Samstag) und andererseits ist die lange Linie 6 mit ihren nunmehr 36 Kursen (Frühspitze) sehr störanfällig.

Konnten die unregelmäßigen Intervalle bisher durch Kurzführungen über die Schleifen Gräßlplatz, Grillgasse, oder Fickeysstraße im Kernbereich der Linie einigermaßen ausgeglichen werden, so würden die großen Wohnsiedlungen in Kaiserebersdorf nun bei einer derartigen Vorgangsweise „ausgehungert“.

Leider wurde hier eine an sich hervorragende Idee mit so vielen Dornen versehen, dass der Nutzen für viele Fahrgäste wieder verloren geht. Um das Gesamtpaket an Veränderungen (Linien D, 6, 71) tatsächlich „aufkommensneutral“ umsetzen zu können, kam es übrigens auch zur Dehnung der Intervalle auf der verlängerten Linie D von fünfeinhalb auf sechs zwei Drittel Minuten (Frühspitze).

Dadurch werden Kurse eingespart, die nun für die verlängerte Linie 6 zur Verfügung stehen.

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