November-Ausgabe seit 18. Oktober am Kiosk!

Die Nummer 11/2019 (November) von STRASSENBAHN MAGAZIN ist seit 18. Oktober im Handel erhältlich. Freuen Sie sich auf die spannende Titelgeschichte über 30 Jahre Niederflur-Fahrzeugtechnik bei deutschen Betrieben und viele weitere aktuelle und historische Beiträge aus der Welt der Straßenbahn! Händler in Ihrer Nähe, bei denen Sie das Heft erhalten, finden Sie übrigens unter www.mykiosk.com
 
 

Bonn: Vor 100 Jahren startete die Siebengebirgsbahn

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Straßenbahn statt Eisenbahn 
Für die beiden Überlandlinien der SSB erschien eine Umkonzessionierung zur Straßenbahn die sinnvollste Lösung. Das alte Wagenmaterial erfüllte die Anforderungen dafür nicht und war zwingend zu ersetzen. Angesichts des hohen Investitionsbedarfs für die Erneuerung blieb auch die zeittypische und von politischer Seite gerne geführte Diskussion einer Umstellung auf Busse oder Obus nicht aus. Schließlich fiel aber im Frühjahr 1959 die Entscheidung zur Beibehaltung des Schienenverkehrs auf beiden Strecken.
Die Umstellung auf Straßenbahnbetrieb sollte eine tief greifende Rationalisierung ermöglichen, deren Einsparungen die Investitionen für die Modernisierung in wenigen Jahren amortisierten. Bei den Fahrzeugen fiel die Wahl auf achtachsige Doppelgelenkwagen für Zweirichtungsbetrieb, wie sie erstmalig 1959 für Dortmund geliefert wurden. Ein Triebwagen bot das Platzangebot eines alten Zweiwagenzuges aus Vierachsern, durch Ausrüstung mit Zugsteuerung war auch ein paarweiser Einsatz möglich. Die Bestellung bei der Düwag umfasste zunächst elf Wagen, mit denen die fünf Umläufe beider Strecken mit Doppelzügen gefahren werden konnten. Für die Zusatzzüge nach ­Königswinter standen die drei Doppeltriebwagen der Jahre 1953/54 zur Verfügung. Bis Frühjahr 1961 waren alle Neubauten ausgeliefert; sie erhielten die Nummern 401–411. Tw 401 wurde vor der Ablieferung nach Bonn im September auf der Landesverkehrsausstellung »Schiene & Straße« in Essen gezeigt; Tw 402 kam als erster Achtachser Anfang Oktober 1960 direkt nach Bonn.
Ende 1960 nahmen die neuen Achtachser auf den Linien S bzw. H den Betrieb auf. Der Buchstabe »K« für Königswinter wurde bei den Gelenkwagen nicht mehr verwendet. Mit Ausnahme der 1925 gebauten Stahltriebwagen 26, 27 und 29 wurden die Altwagen 1961 verschrottet. Die drei verbliebenen Vierachser dienten noch bis 1967 innerbetrieblichen Zwecken. Noch fast zehn Jahre abgestellt vorhanden, gelangten die Tw 27 und 29 an eine Vereinigung von Bahnfreunden, mussten aber die angestammten Gleise verlassen und kamen zunächst nach Duisburg, wo sie in einem Depot der Verkehrsgesellschaft abgestellt wurden. Von hier kamen sie 1974 zum Straßenbahnmuseum Wehmingen. Hier bildet heute Tw 29 die letzte Erinnerung an das vierachsige Wagenmaterial der Bonner Fernbahn.

Keine Standard-Düwags
Die 26,70 Meter langen und 2,35 Meter breiten Doppelgelenkwagen entsprachen von ihrer Konzeption her zwar normalen Straßenbahnwagen, wiesen aber für den  Überlandverkehr einige Besonderheiten auf. So waren die Führerstände gegenüber dem Fahrgastraum vollständig abgeschlossen. Für die Fahrgäste wiesen die in Abteilform 2:1 angeordneten Kunstledersitze eine verbesserte Polsterung auf. Insgesamt gab es 64 Sitzplätze. Ablagetische unter den Fenstern, Sonnenrollos aus Stoff sowie Gepäckablagen oberhalb der Fenster trugen ebenfalls den erhöhten Komfortansprüchen im Überlandverkehr Rechnung. Mit der Umstellung war auch die Abschaffung der Raucherabteile verbunden.
Auf die Einführung des sonst bei Gelenkwagen üblichen Fahrgastflusses mit festen Schaffnerplätzen verzichteten die SSB. Der Schaffner pendelte weiterhin durch das Fahrzeug und bediente die Fahrgäste am Platz. Die Abfertigung der Züge erfolgte durch eine optisch-/akustische Signalanlage durch die Schaffner über Druckknöpfe im Dachbereich neben den Türen. Als Besonderheit hatten die Wagen nur über einem Kopf einen Stromabnehmer, da bei den wenigen vorhandenen elektrisch betätigten Weichen die Schaltkontakte in ausreichender Entfernung angebracht waren. Die von den Doppeltriebwagen bekannten zwei übereinander liegenden Frontscheinwerfer wurden auch für die Achtachser übernommen. Die Fahrzeuge verfügten über automatische Scharfenbergkupplungen mit Elektroaufsatz. Alle notwendigen Steuerbefehle ließen sich so ohne zusätzliche Kabelverbindungen übertragen.
Lackiert waren die Achtachser wie die übrigen Bonner Neubeschaffungen in Creme mit grünen Zierstreifen.

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