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Gute Aussichten für ­Hochzoll

Augsburg: Neue Linie 6 fast auf altem Weg

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Der Streit um die Friedberger Straße
Als im weiteren Verlauf Kostenschätzungen für den Tunnel in Hochzoll bekannt wurden und jede der untersuchten Varianten Nachteile zeigte, wurde dieses Thema zu den Akten gelegt. Der neue Oberbürgermeister Gribl erntete Hohn und Spott bei den Bürgern, die ihn an sein Versprechen erinnerten, die Friedberger Straße vierspurig zu erhalten, als er hinsichtlich zweier breiterer Fahrspuren von einer »gefühlten Vierspurigkeit« sprach.

Die Bauarbeiten wurden nun nach weitgehend unveränderten Plänen weitergeführt. Im Rahmen des Streckenneubaus waren die Brücken über die Augsburger Lechkanäle Schäfflerbach und Herrenbach zu erneuern, bei der Kaufbachbrücke musste die Tragfähigkeit erhöht werden. Die Hochzoller Lechbrücke, seit einigen Jahren Afrabrücke benannt, musste verbreitert und im Querschnitt verändert werden.

Probleme und Problemchen
Entlang der Strecke entstanden an der Remboldstraße, Hochzoller Straße und an der Endschleife drei neue Gleichrichterwerke. Als Erschütterungsschutz wurde in dicht bebauten Bereichen ein »leichtes Masse-Feder-System« zur Trennung des Gleiskörpers von der Umgebung mittels Boden- und Seitenmatten eingebracht. Aktiver Schallschutz wurde durch zwei Schallschutzwände in Friedberg-West realisiert, passiver Schallschutz durch Schallschutzfenster an Gebäuden entlang der ganzen Strecke.

Vor Errichtung der Wendeschleife Friedberg-West wurden über zwei Monate archäologische Untersuchungen durchgeführt. Dabei wurden aus der Römerzeit (etwa 150 nach Christus) Siedlungsspuren, zwei Skelette und ein Gefäß gesichert. Im Zuge weiterer Bauarbeiten wurde ein Riss in der Brücke der Augsburger Localbahn über den Alten Heuweg festgestellt; entgegen erster Befürchtungen konnte die Brücke aber saniert werden. Geschäftsinhaber im Baustellenbereich beklagten die aufgrund der politischen Diskussionen inzwischen lange Dauer der Bauarbeiten, die ihren Umsatz massiv minderte.

Die Probleme blieben dem Bauvorhaben auch 2010 treu; so mussten bereits auf der Lechbrücke verbaute Schienen nochmals ausgebaut werden, da Schäden durch Streusalz während der Lagerung über den Winter festgestellt wurden. In der Prinzstraße wurde ein meterlanger Bruch des Fundamentes vorgefunden, der auch alle vier Schienen betraf. Mit der Ursachenforschung wurden Gutachter der TU München beauftragt.

Die neue Linie 6
Die Linie 6 hat einen Einzugsbereich von fast 40.000 Anwohnern und ersetzt mehrere Buslinien mit täglich 14.000 Fahrgästen. Am Hauptbahnhof beginnend und über Königsplatz – Rotes Tor führend, zweigt sie an der Prinzstraße von der bisher als reine Betriebsstrecke bestehenden Verbindung Rotes Tor – Maximilianstraße – Moritzplatz ab und erschließt im weiteren Verlauf den neuen Stadtteil Textilviertel. Hier waren bis Ende des vergangenen Jahrhunderts so namhafte Firmen wie Augs­burger Kammgarn-Spinnerei, Mecha­nische Baumwoll-Spinnerei und Weberei Augsburg (SWA) sowie die Neue Augsburger Kattunfabrik beheimatet, die sämtlich den Niedergang der deutschen Textilindustrie nicht überlebten. Weiter fährt die Linie 6 durch die Stadtteile Herrenbach,  Spickel und Hochzoll nach Friedberg-West. Damit überquert die Augsburger Straßenbahn nun an einer dritten Stelle die Stadtgrenze, erstmals in den Landkreis Aichach-Friedberg hinein.

Die Baukosten wurden zuletzt mit 58,9 Millionen Euro angegeben. Für den Betrieb der neuen Straßenbahnlinie werden gegenüber dem bisherigen Busbetrieb sieben bis acht zusätzliche Fahrer benötigt. Sie verkehrt täglich von circa 5 Uhr morgens bis nach Mitternacht. An Schultagen gilt tagsüber der 5-Minuten-, in den Schulferien der 7,5-Minuten-Takt. Samstags fährt die Linie 6 alle 10 Minuten, sonntags sowie an allen Abenden der Woche alle 15 Minuten.

Die Linie 6 benötigt 16 Minuten zum Hauptbahnhof. Sie wird eine 100-%-Nie­der­flurlinie sein: Eingesetzt werden Combinos und die in Augsburg »Cityflex« genannten Flexity-Outlook. Die feierliche Eröffnung ist am 12. Dezember 2010.   

Von Winfried Wolff

Ein Artikel aus STRASSENBAHN MAGAZIN 12/10

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