November-Ausgabe seit 18. Oktober am Kiosk!

Die Nummer 11/2019 (November) von STRASSENBAHN MAGAZIN ist seit 18. Oktober im Handel erhältlich. Freuen Sie sich auf die spannende Titelgeschichte über 30 Jahre Niederflur-Fahrzeugtechnik bei deutschen Betrieben und viele weitere aktuelle und historische Beiträge aus der Welt der Straßenbahn! Händler in Ihrer Nähe, bei denen Sie das Heft erhalten, finden Sie übrigens unter www.mykiosk.com
 
 

125 Jahre Straßenbahn in Erfurt

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Am Benaryplatz schloss dann eine kurze Streckenverlängerung zum Gothaer Platz an.

Starkes Wachstum bis zum Ersten Weltkrieg

1912 kam die Braune Linie hinzu, die als erste weitgehend zweigleisig fast vollständig über neue Strecken lief. Sie führte vom Depot an der damaligen Blücherstraße (Breitscheidstraße; mit Anschluss zur Roten Linie) über Leipziger Platz (Kreuzung mit der Weißen Linie), Schmidtstedter Brücke (Blaue Linie) und Hauptbahnhof (wiederum Weiße Linie) zur Jägerkaserne am Südrand des Löberfeldes. Diese Linie erschloss fast nur östliche und südliche Teile des Gründerzeitgürtels; das alte Stadtgebiet innerhalb des Flutgrabens erreichte sie nur im Bereich des Hauptbahnhofs. Zur gleichen Zeit erfolgte der zweigleisige Ausbau der Weißen Linie im Abschnitt Hauptbahnhof – Sedanstraße (Am Stadtpark). Am Vorabend des Ersten Weltkriegs hatte das Netz seine vorerst größte Ausdehnung erreicht. Bemerkenswert erscheint aus heutiger Sicht die ausgeprägt polyzentrische Struktur: Linienbündelungen bestanden nur auf kurzen Abschnitten, insbesondere auf den Brücken über den die innere Stadt von Norden über Osten bis auf die Südseite umgebenden Flutgraben (Schmidtstedter, Bahnhofstraßen- und Pförtchenbrücke), auf einem Teil des Angers sowie am Friedrich-Wilhelms-Platz. Der Bau von Straßenbahnstrecken war meist ein Hauptgrund für die Errichtung dieser neuen Brücken, die oft anstelle von älteren in anderer Lage und leichterer Konstruktion gebaut wurden. Zwei davon sind noch heute vorhanden: Die Pförtchenbrücke – seit 1963 ohne Straßenbahn – und die Krämpfertorbrücke – ab 1998 aufwendig saniert und erweitert, um die neue »Stadtbahn« durch die Leipziger Straße auf der Trasse der hier schon einmal ab 1904 verkehrenden Weißen Linie aufnehmen zu können.

Nachkriegszeit und Inflation

Gegen Ende des Ersten Weltkriegs drohte die Einstellung des Straßenbahnbetriebs wegen Kohleknappheit. Dies konnte zwar abgewendet werden, da die Bahn als kriegswichtig eingestuft wurde, es kam aber zu Betriebseinstellungen auf schwach ausgelasteten Abschnitten der Weißen, Blauen und Braunen Linie. Die Streckenführung über die Pförtchenbrücke wurde bei dieser Gelegenheit vereinfacht und die Rote Linie erhielt eine neue Endstelle. Die Strecken durch die Krämpfer-, Leipziger, Trommsdorff-, äußere Epinay- (Friedrich-Ebert-), Pförtchen-, Friedrich- und Brühlerwallstraße waren somit außer Betrieb, die Reste der Weißen und der Blauen Linie miteinander verknüpft (Weiß-Blaue Linie). Die Ausrüstung der demontierten Abschnitte fand später Verwendung beim weiteren zweigleisigen Ausbau des Netzes. Schien der Fortbestand zunächst gesichert, führte die folgende Krise, hervorgerufen durch die galoppierende Inflation von 1922/23, zu tiefen Einschnitten. Bereits zuvor wurde der Straßenbahnbetrieb wieder von der Stadt übernommen. Renditen waren nicht mehr zu erwarten. Zudem bestand ein gewaltiger Investitionsrückstand. Zum Höhepunkt der Inflationskrise verkehrte die Straßenbahn nur noch auf Teilabschnitten der Roten und der Weißen Linie zwischen Ilversgehofen und Hauptbahnhof. Der Rest der Anlagen war konserviert, Teile sogar verkauft worden, um Löhne zahlen zu können.

Weiterer Ausbau ab 1924

Nach Überwindung der Krise konnte ab 1924 das verbliebene Netz wieder in Betrieb genommen werden. Unmittelbar nach Normalisierung der Verhältnisse wurde der zweigleisige Ausbau fortgesetzt, bei dem schließlich sämtliche Strecken bis auf den Mittelabschnitt der Grünen Linie diesen Ausbaustandard erreichen sollten. Zur gleichen Zeit nahmen erste Kraftomnibuslinien den Verkehr auf; die Gesellschaft wurde später durch die Erfurter Straßenbahn übernommen. Ende der 1920er-Jahre entstand weit außerhalb der damaligen nördlichen Bebauungsgrenze an der Nordhäuser Straße ein zweiter Betriebshof, der bis heute als »Neues Depot« bezeichnet wird. Angeschlossen war dieser über eine eingleisige Betriebsstrecke, die an die Endhaltestelle Krankenhaus (zuvor Nordhäuser Straße) der Grünen Linie anschloss. Diese Betriebsstrecke wurde Anfang der 1970er-Jahre mit der ersten Verlängerung der Straßenbahn in Richtung Rieth ersetzt.

Liniennummern ab 1929

Zum Fahrplanwechsel 1929/30 stellte man die Linienbezeichnungen von Farben auf Zahlen um: Die Rote Linie wurde zu Linie 1, die Blaue zu Linie 2, die Grüne zu Linie 3 und die Braune zu Linie 4. Ab Mitte der 1930er-Jahre kam es zu zwei Netzerweiterungen. 1935 wurde die Linie 2 über eine eingleisige Neubaustrecke entlang neuer Vorstadtsiedlungen zum Hauptfriedhof verlängert. Ein Jahr später erreichte die Linie 4 am südlichen Ende wieder die Endstelle Jägerkaserne, die sie bereits gut 20 Jahre zuvor als Braune Linie bediente.

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siehe Bildunterschrift
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