Vom Rückgrat zum ­Auslaufmodell

Doch der Senatsbeschluss zur Aufgabe des Verkehrsmittels war bereits gefallen und die 1960 in Kraft tretende »BOStrab« warf ihre Schatten voraus ...

Weltweit erleben derzeit neue Straßenbahnsysteme eine Renaissance – nicht nur im Ausland. Auch deutsche Städte wie Saarbrücken oder Oberhausen haben wieder ein innerstädtisches Schienenverkehrsmittel erhalten. Auch in Hamburg plant die Hochbahn, im Auftrag der derzeitigen Regierungskoalition, ein neues Stadtbahnnetz von zunächst 50 km Länge.

Vor 50 Jahren herrschte in der Hansestadt noch ein anderer Zeitgeist. Das damalige Straßenbahnsystem galt als unmodern und langsam, die Zukunft sahen Hamburgs Stadtväter in einer autogerechten Stadt, in welcher der ÖPNV mit neuen Schnellbahnlinien und modernen Bussen abgewickelt werden sollte. Die Planungen für den Bau eines umfassenden U-Bahn Netzes, von dem bis heute erst ein Bruchteil verwirklicht ist, entstanden jener Zeit.

Die Zukunft heißt S-Bahn, U-Bahn und Bus

Auch das Netz der S-Bahn erfuhr damals eine Erweiterung: Am 1. Oktober 1959 konnte der durchgehende elektrische Betrieb zwischen Bergedorf und dem Hamburger Hauptbahnhof aufgenommen werden, nachdem ein Jahr zuvor wurde der Pendelbetrieb zwischen dem Berliner Tor und Bergedorf eingerichtet wurde. Um den Betrieb auf der neuen, mit Gleichstrom betriebenen S-Bahn Linie abwickeln zu können, kamen 16 neue Züge in die Hansestadt. Dabei handelte es sich um Fahrzeuge der neu entwickelten, stärker motorisierten Baureihe 470. Auch der Bau neuer U-Bahn Linien schritt voran. Der erste kurze Abschnitt der Hochbahn-Strecke zum Wandsbeker Mark, Teil der heutigen U1, stand kurz vor seiner Vollendung. Während die Bauarbeiten auf dem Abschnitt vom Jungferstieg zum Hauptbahnhof schon am 10. Oktober 1955 begannen und der Tunnel vom Jungfernstieg bis Messberg 1959 mit Gleisanlagen und den dazugehörigen Streckenausrüstungen ausgestattet wurde, begannen im Herbst die Bauarbeiten an der 6,7 km langen Reststrecke nach Wandsbek Gartenstadt. Um die erforderliche Baufreiheit im Bereich der Haltestelle Lübecker Straße zu erhalten – hier entstand eine Umsteigemöglichkeit zur U-Bahn Ringlinie – baute die Hochbahn für die Wandsbeker Straßenbahnlinien 3, 5 und 16 eine zweigleisige Umleitungsstrecke über die Conventstraße.

Neben Planung und Bau neuer Abschnitte fanden im damals 37 km umfassenden Bestandsnetz der Hamburger U-Bahn Modernisierungsarbeiten statt. So wurden die Haltestellen Landungsbrücken, Emilienstraße und Barmbek umfangreich erneuert. Während die Haltestelle Landungsbrücken die bekannte Fußgängerbrücke zu den Hafenfähren erhielt, wurde in der Haltestelle Emilienstraße ein neues Eingangsgebäude eröffnet. Zahlreiche Haltestellen wurden von Glühlampenbeleuchtung auf Leuchtstofflampen umgebaut.

Investitionen in den ­Wagenpark der U-Bahn

Auch beim Fahrzeugpark gab es Änderungen. So wurden 1959 die letzten 28 U-Bahn-Fahrzeuge der insgesamt 100 Triebwagen umfassenden Baureihe DT 1 ausgeliefert. Aber auch Fahrzeuge der alten T-Wagen wurden modernisiert. In diesem Jahr wurden zudem die so genannten Silberlinge in Betrieb genommen. Dabei handelte es sich um modernisierte Fahrzeuge mit einer Außenhaut aus Nirostastahl. Die Fahrzeuge, welche die Typbezeichnung TU 2 erhielten, bekamen neben ihrem neuen Äußeren auch eine moderne Inneneinrichtung. Bis 1962 wurden bei den Fahrzeugwerkstätten Falkenried insgesamt 102 alte T-Wagen der 9. bis 13. Lieferung umgebaut. Aus dem 1914 gebauten Triebwagen 177 entstand 1959 ein Schienenpflegewagen. Der TW 8040 war noch bis 1980 im Einsatz und ist heute Eigentum des Vereins Verkehrsamateure und Museumsbahnen (VVM). Auch die heute üblichen Bezeichnungen für die U-Bahn Fahrzeuge wurden 1959 eingeführt: Die Altbaufahrzeuge erhielten die Bezeichnungen T1-T15 (je nach Lieferserie), die Umbauten wurden als TU 1 bzw. TU 2 bezeichnet.

Das Straßenbahnnetz schrumpft

Das Straßenbahnnetz besaß im Jahre 1959 mit einer Betriebsgleislänge von 339,5 km nur noch 82 Prozent seiner größten Ausdehnung des Jahres 1938. Neben den schon erwähnten Umleitungen durch den U-Bahn Bau waren 1959 auch zahlreiche Änderungen bzw. Einstellungen zu verzeichnen.

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