Verschwunden! Bis auf ­einen kleinen Rest …

Einst konnte man mit meter­spurigen Trams von Düsseldorf aus fast jeden größeren Ort im Bergischen Land erreichen. 1960 war von dieser Pracht nur noch ein Rest geblieben. Von Michael Kochems
Das »Bergische Land« östlich von Düsseldorf verdankt seinen Namen nicht etwa seiner hügeligen Landschaft, sondern der Herrschaft des aus dem Raum Solingen stammenden Adelsgeschlechts derer von Berg, aus dem sich zunächst eine Grafschaft und später ein Herzogtum entwickelte. Der Stammsitz befand sich im heutigen Schloss Burg an der Wupper, als Hauptstadt entwickelte sich bald eine kleine Ortschaft an der Mündung der Düssel in den Rhein, das heutige Düsseldorf. Historisch betrachtet würden die Gebiete östlich des Rheins bis Duisburg und Köln inklusive, südlich der Ruhr bis etwa einschließlich Essen und von dort weit Richtung Südosten bis ins Siegerland zum Bergischen Land gehören. Aus heutiger Sichtweise werden im Allgemeinen die Bereiche in Rhein- und Ruhrnähe nicht mehr der Region zugehörig angesehen, sondern eher dem »Niederrhein« und »Ruhrgebiet« zugeschlagen. Betrachtet werden soll im folgenden der Kernbereich gemäß der heutigen Sichtweise, also etwa begrenzt von den Städten Düsseldorf, Essen, Ennepetal und Köln mit dem Städtedreieck Wuppertal/Remscheid/Solingen als Zentrum.
Speziell in und um diese drei letztgenannten Städte hatte sich ab 1900 schnell ein beachtliches Netz elektrischer Straßenbahnen auf Meterspurgleisen entwickelt. Aufgrund der Landschaftstopographie waren die meisten Strecken reich an teilweise kräftigen Steigungen bzw. Gefällen, so dass das Zeitalter der dafür weniger geeigneten Pferdebahnen übersprungen wurde. In den 1920er-Jahren war es möglich, von Düsseldorf aus mit der Straßenbahn über Wuppertal oder Solingen nach Remscheid und Wermelskirchen zu reisen. Das Netz war dicht und bot teilweise auch gute Verbindungen. Doch schon in den 1930er-Jahren begann der Niedergang. In den 1950er-Jahren stellten vor allem die kleineren Überlandbetriebe den Betrieb ein.
Vor rund 50 Jahren, um 1960, war allerdings bereits absehbar, dass auch den übrigen dortigen Betrieben keine lange Zukunft mehr gegönnt sein würde. Bereits in den 1950er-Jahren waren zahlreiche Strecken verschwunden, und obwohl teilweise sogar noch einmal neu trassierte Abschnitte eröffnet wurden, war das Ende nicht mehr aufzuhalten. Zehn Jahre später wurde dann der letzte Planbetrieb eingestellt.
Heute ist mit der Strecke der Bergischen Museumsbahn nur noch ein kurzer Abschnitt erhalten geblieben.


Solingen: Stilllegung 1959
Nur wenige Wochen vor Beginn des Jahres 1960 stellten die Städtischen Straßenbahnen Solingen ihre letzte Strecke ein. Das Unternehmen war am 1. August 1929 aus dem Zusammenschluss der früheren Solinger Kreisbahn mit der Solinger Stadtbahn entstanden und hatte in den 1930er-Jahren noch ein rund 41 Kilometer langes Netz mit fünf meterspurigen Linien betrieben. Als letzter Abschnitt des einst beachtlichen Betriebes wurde am 15./16. November 1959 das Teilstück Birken – Graf-Wilhelm-Platz der früheren Linie 3 eingestellt. Bis 1969 konnten auf Solinger Gebiet dann jedoch noch die Bahnen der Wuppertaler Stadtwerke beobachtet werden.

Die Rheinbahnstrecken nach Vohwinkel und Ohligs
1960 betrieb die Rheinische Bahngesellschaft AG aus Düsseldorf noch ihre beiden meterspurigen Fernlinien von Düsseldorf-Benrath nach Solingen-Ohligs und Wuppertal-Vohwinkel, die sich in Hilden gabelten. Ursprünglich 1898/1899 von den Bergischen Kleinbahnen AG gebaut, waren sie ab September 1911 nach Kauf durch die Stadt Düsseldorf zum Betrieb an die Rheinbahn gegangen.
Bereits in den 1930er-Jahren wurde erstmals konkret über eine Stilllegung nachgedacht, dann entschied man sich aber doch noch einmal zu einer Modernisierung und den Kauf neuer Fahrzeuge. Einer der Gründe dafür waren die fehlenden Alternativen, denn ein alternativer Busbetrieb wurde als noch nicht machbar angesehen.
Ende der 1950er-Jahre kam das Thema jedoch erneut auf die Tagesordnung, da nicht unerhebliche Summen in eine neuerliche ­Modernisierung der Anlagen und Fahrzeuge investiert hätten werden müssen.

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