Unsere Frage des Monats aus Heft 05/15

Verpasste Chance: Linie 105 nach Oberhausen

Es ist kaum zu glauben, dass sich die Oberhausener die Chance auf den Ausbau ihres Nahverkehrs tatsächlich haben entgehen lassen. Es ist sogar peinlich, ärgerlich und unnötig! Aber warum? Ein Kommentar von Christian Lücker.   

Es fehlen die Gegenargumente! Gut: das Geld! Was Geld kostet, das will der Bürger erstmal nicht, wenn er glaubt, dass er nicht selbst davon profitiert. Aber das hätten die Oberhausener. Deshalb ist dieser Ratsbürgerentscheid auch kein Gewinn für die Demokratie gewesen. Die geringe Wahlbeteiligung zeigt: Die meisten Oberhausener haben sich offenbar nicht für das Projekt interessiert, weil es sie nicht direkt betrifft. Wer zur Wahlurne gegangen ist, der wollte das Projekt nicht umgesetzt haben. Aber warum?

Die Frage lässt sich schwer beantworten. Die Informationskampagnen der Befürworter waren sehr gut, die Argumente für die Strecke stichhaltig. Der Kosten-Nutzen- Faktor lag bei 2,04. Das heißt, die Strecke hätte am Ende in Relation zu den Kosten einen doppelt so hohen Nutzen gehabt. Ein Traumwert! Das CentrO wollte das Projekt mit einer Million Euro fördern, um den Eigenanteil der Stoag zu verringern. Das würde nicht passieren, wenn es sich nicht eine erhebliche Steigerung der Fahrgastzahlen zwischen Essen und Oberhausen versprechen würde. Und viele Essener hätten sich über die direkte Verbindung gefreut und Geld nach Oberhausen bringen können.

Das alles hat den Oberhausenern nicht gereicht. Stattdessen waren immer wieder Argumente zu hören wie: „Einfach den Bus verstärken“ oder „Lieber Schulen von dem Geld sanieren“. Nein! Die Stoag hätte von 300.000 Euro maximal zwei Buskurse zusätzlich einsetzen können – und die Fördergelder sind zweckgebunden. Sie können also nicht in Schulen oder Schwimmbäder fließen. Wer auch nur eines der vielen Infoblätter gelesen hatte, der wusste das!“

Hier hat die Politik in Oberhausen versagt – sie hätte zu dieser Investition stehen müssen. Stattdessen bleibt der Nahverkehr nun im Ruhrgebiet, wie er ist: Ein Flickenteppich, der dafür sorgt, dass die Bürger auch in Zukunft lieber das Auto nehmen! Doch wie sehen Sie, liebe Leser, diese Thematik?

TEXT: Christian Lücker, FOTO: Roland Wirtz

Unsere Frage des Monats:

Was hätte zur geplanten Verlängerung der Linie 105 nach Oberhausen besser gemacht werden müssen?

Schreiben Sie uns Ihren Standpunkt per E-Mail an: redaktion@strassenbahn-magazin.de. Die interessantesten Zuschriften veröffentlichen wir in der nächsten Ausgabe oder hier an dieser Stelle.

Es ging unter anderem diese Antworte ein: 

Ulf L. aus Frankfurt an der Oder schreibt uns:

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