Unsere Frage des Monats aus Heft 06/15

So viel Glück hat man nur einmal, kommentierten Straßenbahnfreunde die Entdeckung von gleich zwei Wagenkästen der Dresdner Pferdestraßenbahn in Radebeul durch sächsische Verkehrshistoriker.

Gleich neben dem ältesten noch betriebenen Wellenfreibad der Welt, dem Bilzbad, errichtete der Pächter eines Gartengrundstückes vor etwa 90 Jahreneine Laube. Als Basis dienten ihm dabei die Aufbauten der 1922 ausgemusterten Pferdebahnwagen 33 und 36. Zwar entfernte der Pächter dazu Teile jeweils einer Seitenwand, aber die Oberlichter, die Stirnwände und jeweils eine Schiebetüre blieben fast ein Jahrhundert unter einem schützenden Überdach erhalten.

Zum Jahreswechsel 2014/15 sollte das einzigartige „Gartenhaus“ dem Erdboden gleichgemacht werden. Doch Dresdner Eisen-und Straßenbahnfreunde informierten das Verkehrsmuseum Dresden und bewirkten für den Abriss einen Aufschub. Danach identifizierte der Nahverkehrsgeschichtsexperte Mario Schatz die Wagen: Der frühe Dresdner Straßenbahnhersteller Carl Stoll hatte sie 1890 für die „Deutsche Strassenbahngesellschaft zu Dresden“ gebaut.

Völlig unklar war aber noch im Januar: Wer übernimmt die beiden Kästen? Vorstandsmitglieder des Dresdner Straßenbahnmuseums erklärten vor Ort, keinen Platz für so etwas zu haben. Eine gleichlautende Rückmeldung kam aus dem Deutschen Pferdebahnmuseum in Döbeln. Der Stadtbahn Riesa e.V., der noch 2013 den später durch die Stadt Meißen geborgenen Kasten des Bw 14 kaufen wollte, zeigte ebenfalls kein Interesse.

Glücklicherweise signalisierte dann im März das Verkehrsmuseum Dresden, beide Kästen zu übernehmen. Daraufhin fand im April der Abriss der Gartenlaube und am 23. April die Bergung der beiden Aufbauten statt. Sie sind bis auf weiteres in einem Depot hinterstellt, eine Restaurierung steht noch nicht auf der Tagesordnung.

Die ehrenamtlich am Abriss der Gartenlaube mitwirkenden Eisen- und Straßenbahnfreundesind bis heute darüber verblüfft, wie schwierig es war, ihren Fund in „gute Hände“ zu übergeben. Warum haben mehrere Museen und Vereine eine kostenfreie Übernahme abgelehnt? War es wirklich immer nur die Platzfrage – oder ist es die Scheu davor, solche Uraltfahrzeuge restaurieren zu müssen? Doch gehört wirklich jedes Fundstück wieder aufgeachst? Welche Pläne hätten Sie, lieber Leser, wenn Sie solche wertvollen Wagen entdecken?

Unsere Frage des Monats:

Was würden Sie anstreben, wenn Sie in Ihrer Heimatstadt aus der Anfangszeit des Trambetriebes stammende Fahrzeuge finden? 

Schreiben Sie uns Ihren Standpunkt per E-Mail an: redaktion@strassenbahn-magazin.de. Die interessantesten Zuschriften veröffentlichen wir in der nächsten Ausgabe oder hier an dieser Stelle.

Es gingen unter anderem diese Antworten ein: 

Ernst-Otto T. aus Roßdorf schreibt:

Zahlreiche Möglichkeiten zur Rettung

"In Karlsruhe würde ich den TSNV-Vorstand und zeitgleich beide VBK-Geschäftsführer, den an Heimatgeschichte interessierten OB, die Lokalpresse sowie die untere Denkmalschutzbehörde informieren und um tätige Mithilfe bitten, diese historisch wertvollen Sachschätze zu retten und wiederaufgearbeitet für die Nachwelt im künftigen Karlsruher VBK-/TSNV-Nahverkehrsmuseum aufzubewahren.

Der TSNV sollte und wird dann seine unentgeltlich tätige Mithilfe beim Restaurieren offerieren. Der TSNV könnte seine Kontakte zu alten Handwerksmeistern anbieten, um den Fund fachlich richtig original wiederherzustellen. Ich persönlich würde eine namhafte Geldsumme spenden.

Ich würde außerdem versuchen, Spenden von Nahverkehrsfreunden und Firmen zu sammeln, Benefizveranstaltungen, Verkauf von Anteilscheinen für die Aktion, ja sogar „crowdfunding“ wäre möglich – da kennt meine Fantasie keine Grenzen. In Bonn würde ich den HVSWB sowie die untere Denkmalschutzbehörde informieren und mich selbst für die Rettung einsetzen."

Peter S. aus Leipzig schreibt:

In neuen Depots weniger Platz!

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