Schöner Warten »auf Zollverein«

Zahlreiche Haltestellen im Stadt- und Straßenbahnnetz der Essener Verkehrs AG (EVAG) erhielten bereits oder erhalten ein neues Äußeres. Was für Fahrgäste das Warten angenehmer macht, bedeutet andererseits den Abschied von markanten Fotomotiven des Essener Nahverkehrsnetzes. Von Philipp Krammer

Bei vielen Straßenbahnbetrieben spielte das Thema Haltestellengestaltung mit Ausnahme größerer Knotenpunkte lange Zeit keine herausragende Rolle. Die Haltestellen waren oft dezent in den Straßenraum integriert – im einfachsten Fall umfassten sie nicht mehr als ein Haltestellenschild, mitunter sogar ohne Fahrplanaushang. Bei U-Bahnen sieht die Sache schon anders aus. Tunnel- und Hochbahnhöfe samt ihren Zugängen, Zwischenebenen und Bahnsteigbereichen erfordern eine eigene Architektur. Um den Fahrgästen in den eigens für das Bahnsystem geschaffenen Räumen gute Orientierung, weitgehend barrierefreien Zugang zu den Fahrzeugen und angemessene Aufenthaltsqualität zu bieten, setzen heute viele Betriebe auf ansprechende Gestaltungskonzepte. Das Schienennetz der Essener Verkehrs AG (EVAG) weist nicht nur herkömmliche Straßenbahnhaltestellen, sondern auch eine Vielzahl schnellbahnmäßig ausgebauter Stationsanlagen auf, die ab den 1970er-Jahren entstanden. In der jüngeren Vergangenheit hat die EVAG eine Vielzahl von Maßnahmen zur Modernisierung und damit auch zur optischen Aufwertung ihrer Haltestellen unternommen – teilweise auch bei »normalen« Straßenbahnhaltestellen. Das Projekt mit der längsten Laufzeit dabei ist wohl die Modernisierung der vier auf Essener Stadtgebiet im Mittelstreifen der auch als Ruhrschnellweg bekannten Autobahn A40 liegenden Stationen der Stadtbahnlinie U18. Neben der lärmenden Autobahn wiesen die im Stil der 1970er-Jahre ausgeführten Stationen mit viel Beton und wenig Transparenz eine prekäre Aufenthaltsqualität auf. Im Zusammenhang mit einem behindertengerechten Ausbau versuchte man die Situation mit einer freundlichen Gestaltung und dem Aus- und Neubau der den Bahnsteigen vorgelagerten Lärmschutzkammern etwas zu mildern. Mit der geplanten Fertigstellung der letzten modernisierten Station Breslauer Straße im Oktober 2010 wird dieses Projekt, das mit der Modernisierung der Station ­Savignystraße 1999 seinen Anfang nahm, abgeschlossen sein. Ab den diesjährigen Weihnachtsferien soll dann auch die seit Jahren übliche ­Takt­reduzierung der U18 von 10- auf 15-Mi­nutenintervalle während verschiedener Schulferien, die zur Durchführung verschiedener Modernisierungsarbeiten notwendig war, Geschichte sein. Übrigens: Trotz umfangreicher Neugestaltung hat auch ein Relikt der »alten« U18 in Form des klobigen Zugangsbauwerks von der ­Straßenbrücke an der Station Breslauer Straße überlebt – vermutlich aber eher aus Kosten- als aus denkmalpflegerischen Gründen.

Lichtertunnel in der ­Passerelle

Da das Ruhrgebiet 2010 den Titel als Europäische Kulturhauptstadt inne hat, sollte dafür auch endlich der bislang wenig ansprechende Essener Hauptbahnhof umfassend modernisiert werden. Die EVAG schloss sich diesem Projekt an und gestaltete die zu ihrem viergleisigen U-Bahnhof gehörige unterirdische Verteilerebene neu. Im Gegensatz zum Bahnsteigbereich der Tunnelstation, bereits 1998 unter anderem mit einer neonblauen Beleuchtung spektakulär umgestaltet, machte die darüber ­liegende Verteilerebene keinen sehr ­ein­ladenden Eindruck. Insbesondere bei der Passerelle – einem unterirdischen Durchgang vom südlich und stadtauswärts des Bahnhofs gelegenen Bahnsteigbereich zur nördlich davon gelegenen Innenstadt – ist das Essener Nahverkehrsnetz im vergangenen Jahr um einen echten »Hingucker« reicher geworden. Auf 80 Metern wurden hinter einer gewellten Glaswand 144.000 LEDs installiert, die laufend verschie­dene dynamische Lichtinszenierungen zeigen. Laut EVAG handelt es sich dabei weltweit um eine der größten Lichtinstallationen in U-Bahn­höfen. Durch Vermietung der erweiterten Ladenflächen in der Verteilerebene wird sich die Umgestaltung zudem in einiger Zeit amortisiert haben – das freut auch den Betriebswirt. Im Zusammenhang mit dem Hauptbahnhof-Umbau hat die EVAG ihr dortiges Kundencenter aus der Vertei­lerebene an die Oberfläche in einen neuen Pavillon auf die Südseite des Bahnhofs verlegt.

Jugendliche gestalten U-Bahnhof

Ebenso keine übermäßigen Kosten dürften der EVAG bei der Umgestaltung des nördlichen Zugangs zum U-Bahnhof Viehofer Platz entstanden sein. Dieser 1985 eröff­nete U-Bahnhof wurde zwischen 1998 und 2000 schon einmal von der Künstlerin Gabriele Stirl – die auch schon den U-Bahnhöfen ­Paradiesstraße und Spichernstraße in Berlin zu einem »Tapetenwechsel« verhalf – unter der Mitwirkung von 20 Langzeitarbeitslosen nach dem Motto »Kulturwelten« neu gestaltet. Leider hatte der Vandalismus im südlichen Zugangsbereich, wo man zwischen Bahnsteig und Ausgang noch einen kurzen unterirdischen Durchgang passieren muss, sehr deutliche Spuren hinter­lassen. Um dies zu ändern, hatte die EVAG Schülern aus der Umgebung des Viehofer Platzes die Möglichkeit zur Umgestaltung dieses Zugangsbereichs gegeben.

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