Regenbogenfarben an der Maine

Durch die westfranzösische Universitätsstadt Angers an der Maine fahren Citadis im Regenbogen-Design – abschnittweise auch auf Unterleitung

Im Juni 2011 nahm die neue Straßenbahn von Angers ihren Betrieb auf. Die Tramway der Universitätsstadt (Stadt 155.000, Großraum 280.000 Einwohner) beiderseits des Flusses Maine und nördlich der Loire hat, wie Jacques Landreau, Leiter der »Mission Tramway«, im »Maison du Tramway« am Platz Imbach erklärt, zwei Besonderheiten: Auf zwei Abschnitten – im Zentrum Angers und der Nachbarstadt Arvillé – verkehrt sie ohne Oberleitung und stellt damit eine neue Etappe der Integration des ÖPNV in das Stadtbild dar. In der engen, nur 9,60 Meter rue de la Roë gibt es auf 300 Meter nur ein Gleis mit Gegenverkehrsregelung, man verweist auf entsprechende Beispiele in Karlsruhe und Amsterdam.

Die neue Straßenbahn-Linie bedeutet eine »Revitalisierung des Stadtzentrums«, denn auf einer Länge von 12,3 Kilometer durchquert sie Angers in Nord-Süd-Richtung einschließlich des Stadtzentrums. Sie hat 25 Haltestellen und soll täglich 36.000 Fahrgäste befördern. Für die Verantwort­lichen von Angers und seiner Agglomération ist »die Tram eine glaubwürdige Antwort auf das absehbare Ersticken des Großraums durch den Autoverkehr«. Aus diesem Grund hat Jean-Claude Antonini, Oberbürgermeister Angers und Präsident von Angers Loire Métropole, das Projekt trotz Schwierigkeiten vorangetrieben.

Von der Gemeinde Avrillé (die dank der Straßenbahn von 13.000 auf 17.000 Einwohner wächst) im Norden führt sie am hochmodernen Depot vorbei zum Universitätsklinikum, wo man die Variante der Durchquerung des Klinikgeländes allerdings verwarf. Nach Überquerung des Flusses Maine auf der spektakulären neuen 270 Meter langen Confluences-Brücke mit großem Bogen erreicht sie die Altstadt von Angers. Dabei stellte sich die Frage, wo die Tram verkehren solle: Entweder auf dem breiten, mehrspurigen Boulevard du Mail oder auf der engen »historischen Route« über die Place de Ralliement, wo bereits die alte Tram von Angers fuhr. Man entschied sich für die zweite Variante. In diesem Bereich hat die Straßenbahn auf insgesamt
1,5 Kilometer Länge keine Oberleitung, wie auch im Zentrum von Arvillé. Dabei entschied man sich für die unterirdische Einspeisung APS, wie in Bordeaux und Reims und somit gegen im Zug mitgeführte Batterien wie in Nizza. Schließlich beträgt die Steigung der Strecke in diesem Bereich 6 Prozent.

Die Place du Ralliement, das Herz von Angers mit seinem monumentalen Theater, ist inzwischen ganz Fußgängerzone. Nördlich davon schließt die eingleisige Strecke an.

Linie 2 (West-Ost) folgt bald
Die Haltestelle Angers-Gares, wo auch Anschluss an das TGV-Netz der Eisenbahn ­besteht, wird zum multimodalen Umsteigepunkt. Denn die geplante zweite West-Ost-Linie wird hier kreuzen, die Weichen sind bereits gelegt. Die Trassenführung der Linie 2 wurde im Juni 2010 festgelegt: 16 Kilometer lang verbindet sie Beaucouzé mit Monplaisir. Allerdings wird sie in Abschnitten verwirklicht, 12 Kilometer mit 25 Haltestellen bilden den ersten Abschnitt.

Zurück zur Linie 1: Fast schon an der Loire liegt im Süden der Endpunkt im Stadtteil La Roseraie mit der Option der Verlängerung zu einem Krankenhaus. Die Linie 1 erschließt nach Berechnungen von Angers Loire Métropole 57.000 Einwohner und 21.000 Arbeitsplätze, zahlreiche Schulen und andere öffentliche Einrichtungen. Doch eine »klassische« Tram
Da sie leichter zu handhaben und ruhiger sei, wollten die Verantwortlichen von Angers und 29 Randgemeinden zunächst eine Straßenbahn auf Gummirädern wie in Caen onder Nancy. Im Verlauf der Planung wurde jedoch der Kostenunterschied zwischen beiden Systemen immer geringer. Da man mit rund 35.000 Fahrgästen täglich rechnet, spricht viel für eine »klassische« Tram auf Schienen. Bei der Entscheidung für den Bau der Straßenbahn, die am 10. Feb­ruar 2005 im Rat des Ballungsraums einstimmig erfolgte, entschied man sich dann »auf der Zielgeraden« für eine »klassische« Tram (s. SM 06/2005).

Beim rollenden Material hoffte Jean-Claude Antonini auf »einen konstruktiven Dialog mit der Industrie.« Auch Angers wählte schließlich fünfteilige Citadis-302 von Alstom. Sie sind 32,42 Meter lang und 2,40 Meter breit und bieten Platz für 203 Fahrgäste (56 Sitz-, 147 Stehplätze). Ihre ­Besonderheit: Die Lackierung in weiß mit Regenbogen und grünem Innendesign. Die Kosten der Tramway d’Angers
Bei den Kosten für das Projekt geht man von einem Gesamtumfang von 287,5 Mio.€ aus, von denen 175 Mio. € durch eine Anleihe auf 30 Jahre finanziert werden. Ferner wurde das Versement Transport (Nahverkehrsabgabe) der Betriebe des Großraums von 1 Prozent auf den Höchstsatz 1,8 Prozent erhöht.

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