Raus aus der Stadt Teil 1: Nordrhein-Westfalen

Grenzüberschreitende Straßen- und Stadtbahnlinien.

Wenn auch Straßen- und Stadtbahnen überwiegend den Verkehr innerhalb einer Stadt bedienen, kam und kommt es doch immer zu Fällen, bei denen Strecken die Stadtgrenze überschreiten. Sehen wir einmal von Beispielen ab, bei denen von vornherein zwei benachbarte Städte eine Gesellschaft bildeten (etwa Bochum und Gelsenkirchen, seit Kurzem auch Essen, Mülheim und Duisburg), lassen sich vor allem vier prinzipielle Netzstrukturen unterscheiden:
  • Eine unmittelbar vor der Großstadt gelegene selbständige Gemeinde wird an das Haupt-Liniennetz angeschlossen (z.B. Markkleeberg/Leipzig oder Garbsen/ Hannover).
  • Eher ländliche Gemeinden besitzen einen Straßenbahnanschluss zur nächst gelegenen Eisenbahnstation (z.B. Woltersdorfer Straßenbahn nach Berlin- Rahnsdorf).
  • Echte Überlandlinien wie etwa Halle – Merseburg – Bad Dürrenberg oder Karlsruhe – Spöck.
  • Verbindungsstrecken zweier benachbarter Verkehrsbetriebe, z. B. im Ruhrgebiet die Linien 107 Essen – Gelsenkirchen oder 112 Mülheim – Oberhausen
Diese Reihe behandelt die gegenwärtig noch betriebenen dieser Straßenbahnlinien in Deutschland. Im ersten Teil geht es um die Strecken in Nordrhein-Westfalen.

Bochum – Gelsenkirchen

Sowohl in Bochum als auch der Nachbarstadt Gelsenkirchen wird der Stadtverkehr hauptsächlich von der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn AG (BOGESTRA) durchgeführt, die sich im Besitz der beiden Kommunen befindet. Heute sind die zwei Städte untereinander noch mit der meterspurigen Straßenbahnlinie 302 verbunden. An weiteren vier Stellen verläuft die Straßen- bzw. Stadtbahn von Bochum aus noch in andere Städte: Im Süden reicht das Straßenbahnnetz seit 1902 bis in die Stadt Hattingen, wo sich der betriebliche Endpunkt an der Post befand (später Reschop). Zur besseren Verknüpfung mit der S-Bahn wurde am 11. März 1994 die Strecke im Südteil (Länge 0,8 Kilometer) neu eröffnet und endet nun, stadtbahnmäßig ausgebaut, am S-Bahnhof Hattingen Mitte. Die Haltestellen der Linie 308 auf Hattinger Stadtgebiet: Hattingen Mitte, Bahnhofstraße, Ruhrbrücke, Denkmal -straße und Oberwinzerfeld.

Nördlich davon befindet sich die Stadtgrenze, ehe die erste Bochumer Haltestelle Surenfeld erscheint.Für die Betriebsleistungen übernimmt die Stadt Hattingen Ausgleichszahlungen an die BOGESTRA. Im Südosten grenzt Bochum an Witten, das heute noch eine Straßenbahnverbindung über Laer nach Bochum Hbf besitzt. Diese entstand zwischen 1899 und 1901 durch die BOGESTRA bzw. die Märkische (später. Westfälische) Straßenbahn. 1929 eröffnete die Westfälische Straßenbahn eine Überlandstrecke von Witten über Heven nach Herbede.

Wegen Zahlungsunfähigkeit dieser Gesellschaft übernahm die BOGESTRA im August 1931 die Betriebsführung und ab Januar 1938 auch das Eigentum der früheren Strecken der »Westfälischen ». Am 28. Mai 1972 endete der Straßenbahnverkehr zwischen Herbede und Heven Dorf. Heute verkehrt die Linie 310 zwischen Höntrop und Heven über Bochum Hbf – Witten.
  Die Haltestellen der bis Crengeldanz und ab Bahnhofstraße eingleisigen Strecke auf Wittener Stadtgebiet: Papenholz, Crengeldanz, Betriebshof Witten, Breite Straße, Marienhospital, Witten Rathaus, Berliner Straße, Bahnhofstraße, Hans-Böckler-Straße (Ausweiche), Sprockhöveler Straße, Hardel, Friedrich-List-Straße, Heven Hellweg (Ausweiche),
Am Steinberg, Heven Dorf. Der Außenast von der Bahnhofstraße bis Heven war wegen anstehender Infrastruktur- Investitionen von der Stilllegung bedroht, doch scheint nun der Erhalt gesichert. Allerdings ist mittelfristig die Einstellung des Abschnitts Bochum-Unterstraße– Am Honnengraben – Witten- Papenholz geplant; als Ersatz soll eine neue Strecke über Bochum-Langendreer mit einem zusätzlichen Abzweig zur Anbindung der dortigen S-Bahnhaltestelle gebaut werden. Die Betriebsleistungen südwestlich außerhalb Bochums finanziert der Ennepe- Ruhr-Kreis.

Nach Norden mit U35 und 306

Im Norden Bochums führt die Straßenbahnlinie 306 weiter nach Wanne-Eickel, das seit 1975 nach Herne eingemeindet ist. Die Stadtgrenze quert den bis August 2009 eingleisigen Abschnitt Bochum Hannibal Einkaufszentrum – Herne Eickeler Straße, dann folgen die Wanne-Eickeler (Herner) Halte Hannibalstraße, Auf der Wenge, Eickel Kirche, Hugenpoth, Heisterkamp, Im Sportpark, Solbad, Am Buschmannshof und Wanne Eickel Hbf (Wendeschleife).

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