Quer durch Karlsruhe

Von Karlsruhe kann man mit der Stadtbahn bis hinauf in den Schwarzwald fahren, ins Neckartal nach Heilbronn oder über den Rhein in die Pfalz. Von Stefan Vockrodt
Der Marktplatz in Karlsruhe kann durchaus für sich beanspruchen, zu den meistbefahrenen Straßenbahnknoten in Deutschland zu gehören. Hier kommen nicht nur alle Karlsruher Straßenbahnlinien vorbei, auch die Mehrzahl der Regional-Stadtbahnlinien des »Karlsruher Modells« rollt hier über das Gleisdreieck, an dem die zentrale Nord-Süd-Achse über das Ettlinger Tor zum Hauptbahnhof abzweigt. In Spitzenzeiten herrscht hier ein Minutentakt – in jede Richtung wohlgemerkt.
Wer sich dort postiert, dem fällt bald auf, dass zwischen all den modernen Niederflurstadtbahnen und den großen Zwei-System-Wagen noch immer regelmäßig alte, den Düwags ähnliche Gelenkwagen aus der Kaiserstraße auf den Markt abbiegen und dann neben der Pyramide halten oder von dort Richtung Durlacher Tor in die Kaiserstraße einbiegen.
Seit rund zwölf Jahren ist die Linie 5 Karlsruhes letzte alte »Straßenbahnlinie«. Nur: wenn der Tunnel unter der Kaiserstraße fertig ist (s. SM 06/2011), wird sie nicht mehr über den Marktplatz verkehren, und dann wird sie auch nicht mehr mit den DWM-Achtachsern fahren, die mancher gerne auch als »Düwag-Klone« ansieht.
Tatsächlich bietet die Linie 5 aber noch etwas mehr als nur die Möglichkeit, Straßenbahn wie in den 1970ern zu erfahren. Denn die Linie, die weitgehend alleine auf ihrer Strecke unterwegs ist, erlaubt auch eine Art Stadtrundfahrt quer in Ost-West-Richtung durch die Fächerstadt zu unternehmen und die Vielseitigkeit Karlsruhes abseits der Magistrale Kaiserstraße zu erleben.

Das westliche Ende am Rheinhafen
Exakt 30 Minuten braucht ein Zug der Linie 5 für eine Fahrt über die rund neun Kilometer Strecke zwischen ihren Endpunkten Rintheim und der Schleife am Rheinhafen, wo die Strecke aber noch lange nicht zu Ende ist.Von hier verläuft noch eine Betriebsstrecke zum Betriebshof West, aber dieses über ein Kilometer lange Streckenstück ist ohne planmäßigen Linienverkehr.
Die Wendeschleife, ebenfalls so ein Relikt aus den 1970ern mit flachen, kaum handhohen, nicht überdachten Bahnsteigen und einem Kiosk liegt im Schatten des Heizkraftwerks Rheinhafen, dessen Kesselhaus und Schornstein nachmittags dem Platz die Sonne verstellen. Daneben ist hier viel Kleingewerbe, Handwerk und auch Wohnbebauung zu finden, sowie ein  Park&Ride Parkplatz für Berufspendler. Südlich vom Kraftwerk führt die Hafenbahn vorbei, Stadtautobahnen und Hochhäuser geben der Gegend wenig, was einem zum Verweilen verlocken mag.
Über den Lameyplatz, wo die Strecke der S2 in die Strecke der 5 einmündet, geht die Fahrt zum ersten der großen Straßenbahnknoten Karlsruhe (hat eine deutsche Stadt mehr »Grand Unions« als Karlsruhe?), dem Entenfang. Während die S2 hier nach links auf die Rheinstraße (westliche Verlängerung der Kaiserstraße) einbiegt, fährt die 5 geradeaus weiter, ab hier auf ihrem jüngsten Streckenstück. Einst geplant inmitten einer Schnellstraße, wurde letztere etwas weiter westlich als Autobahn gebaut und neben der völlig eigenen Trasse der Tram führt ein Fuß- und Radweg durch einen schmalen Grünstreifen lang zum Kühlen Krug. 

Verschiedene ­Bahnsteighöhen
Die Haltestelle »Kühler Krug«, einst Endpunkt, ist jüngst verlegt und neu gestaltet worden; in ihrer jetzigen Form ist sie seit Mitte April in Betrieb. Die nun 80 Meter langen Bahnsteigen weisen nicht nur zwei unterschiedliche Höhen auf, sie sind auch auf unterschiedliche Wagenbreiten ausgelegt. Die GT8 der Linie 5, reine Hochflurfahrzeuge, halten nur am niedrigen Teil, der dafür etwas näher ans Gleis reicht. Manch Fahrgast muss sich dann sputen, wenn er vom überdachten (hohen) Teil des Bahnsteigs zum Wagen laufen muss.
Ab hier geht es in die Kriegsstraße (West), auf der die 5 bis zum Weinbrennerplatz verläuft. Hier fährt die Linie als echte Tram im Straßenplanum, mit der Besonderheit, dass ein Baum-bestandener Mittelstreifen die Richtungsfahrbahnen voneinander trennt. In Spitzenzeiten kommt es hier zu der für Karlsruhe eher ungewohnten Situation, dass eine Tram mal im Autostau steckt … Dieses zentrale Stück der heutigen Linie 5 zwischen Kühler Krug und Ettlinger Tor nahm einst auch die Karlsruher Lokalbahn.
Am Weinbrennerplatz treffen nicht weniger als sechs Straßen zusammen, und drei Tramlinien. Hier verlässt die Linie 5 nun die Kriegsstraße und fährt leicht schräg in die Türkeistraße. Doch zuvor kreuzt sie noch die andere große Ost-West-Durch­mes­ser­linie Karlsruhes, die Linie 1, die hier allerdings in Nord-Süd-Richtung nach Oberreut verkehrt. Und jetzt biegt die von der Kaiserstraße kommende Linie 2E (eine vorübergehende Bezeichnung) zum ZKM auf die Strecke der 5 ein. Am ZKM vorbei

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