Kuriosa am Stadtrand

Seit 1911 ist die bis 1920 selbstständige Landgemeinde Heinersdorf an das Berliner Straßenbahnnetz angeschlossen. Im Bereich des heute wieder zum Bezirk Pankow gehörenden Ortsteiles gibt es dabei einige Sonderfälle in Geschichte und Betrieb.

Im STRASSENBAHN MAGAZIN 1/2004 beschrieb der Beitrag „In 25 Minuten vom Alex aufs Dorf“ den heutigen Verlauf der Linie M2 vom Alexanderplatz nach Berlin-Heinersdorf. Dem Abschnitt „Heinersdorf entgegen“ entnimmt der Leser, dass dem nördlichen Linienende zwei eingleisige Abschnitte, unterbrochen durch einen kurzen zweigleisigen, vorgelagert sind.

Die Formulierung „ ... signalgeregelt wieder eingleisig ...“ könnte nun vermuten lassen, dass das zweigleisige Zwischenstück zu signalgesicherten Kreuzungen genutzt werden kann. Dem ist seit mehr als 30 Jahren nicht mehr so. Der Abschnitt wird zwar mit begrenzenden Rückfallweichen auf Rechtsstrang im Richtungsbetrieb durchfahren, ist aber zugfolgeunwirksam.

Der gesamte Endabschnitt einschließlich der nicht nutzbaren Kreuzungsstelle bildet eine eingleisige Strecke im Verständnis der Berliner Fahrdienstordnung. Mit 1,1 Kilometer Länge ist sie die längste eingleisige Strecke im BVG-Netz.
 

Das stellte auch zu Zeiten eines 15-Minuten-Taktes in der Hauptverkehrszeit selbst bei Unregelmäßigkeiten kaum ein Problem dar, hingegen trägt der Wegfall von Zugkreuzungen auf dem zweigleisigen Zwischenstück erheblich zum Flüssighalten des Straßenverkehrs in dem extrem stark befahrenen Hauptstraßenabschnitt bei.

Straßenbahngesellschaft befreite Gemeinde von Pflicht

Nun sei noch auf ein anderes Heinersdorfer Kuriosum beim Stichwort „gepflasterte Straße“ aufmerksam gemacht: Die Bauausführung des Endabschnitts der Straßenbahnlinie war Gegenstand des im Jahr 1910 zwischen der Gemeinde Heinersdorf und der Großen Berliner Straßenbahn (GBSt) abgeschlossenen sogenannten Zustimmungsvertrags.

Abweichend von aller Regel befreite die GBSt per Vertrag die Gemeinde von den sonst üblichen Pflasterbeiträgen und stellte obendrein kostenlos ein Grundstück für einen (später allerdings nie ausgeführten) Betriebshof zur Verfügung. Solch „noble Geste“ erwies die GBSt beim Vorstrecken ihres Netzes in keinem anderen Berliner Vorort ...

Maximumwagen mit LOWA-Beiwagen

Bezüglich der Aussagen zum Fahrzeugeinsatz ist eine kleine Korrektur angezeigt: Wenn der Autor von Vorkriegsgarnituren als Vorgängerrollmaterial der Reko-Züge spricht, bleibt anzumerken, dass mehr als zehn Jahre lang die Regelzugbildung der 71er-Kurse aus Maximum-Triebwagen mit einem LOWA-Beiwagen bestand. „Epochemäßig“ waren also Mischgarnituren eingesetzt.

Ein Artikel aus STRASSENBAHN MAGAZIN 06/14

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