Herforder Kleinbahnen

Seit mehr als 40 Jahren sind die meterspurigen Kleinbahnstrecken im Raum Bielefeld/Herford Vergangenheit. Aber noch heute finden sich an vielen Stellen Spuren. Von Dirk Budach

Dass einige Überbleibsel in angemessener Form in ihrer alten Heimat gezeigt werden können, ergab sich wie so oft durch eine Reihe glücklicher Zufälle. Im Zuge der schrittweise Aufgabe des elektrischen Kleinbahnbetriebs in Herford kamen diverse Fahrzeuge ganz in den Norden Deutschlands, zur Sylter Inselbahn. Einige davon überlebten auch das Ende dieser Bahn 1970, und eben dazu gehörte der frühere Herforder Wagen Nr. 31. Die Düsseldorfer Waggonfabrik Schöndorff hatte ihn 1927 für die Mindener Straßenbahn gebaut, doch seit 1945 verstärkte er den Fuhrpark im benachbarten Herford. Da beide Bahnen dem Elektrizitätswerk Minden-Ravensberg gehörten, war ein solcher Wagenaustausch leicht möglich.

Seit 1961 fuhr er nun auf Sylt unter der Nr. 103 und kam von dort zehn Jahre später zur noch jungen Interessengemeinschaft Historischer Schienenverkehr (IHS), die seinerzeit gerade die »Selfkantbahn« als einen der frühen Museumsbahnbetriebe in Deutschland etablierte. Da dort eine grundlegende Aufarbeitung unterblieb, wurde der Wagen später abgestellt und 1985 schließlich der Museumseisenbahn Minden übereignet. Die Mindener planten eine Restaurierung, reichten den Wagen aber bald weiter an den Herforder Heimatverein mit der Idee, ihn im Rahmen einer Wanderausstellung an verschiedenen Stellen zu präsentieren. Um das Fahrzeug aber langfristig zu erhalten, erschien die Gründung eines gemeinnützigen Vereins als geeignetere Alternative. Die Stadt Enger übernahm die Initiative, und im Juni 1998 gründete sich der Verein »Kleinbahnmuseum Enger e.V.«  Der Wagen 31 wurde mit Kräften einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme sehr aufwendig wieder hergerichtet.

Museum im Kleinbahnhof

Da die tatkräftigen Mitglieder des neuen Vereins inzwischen weitere interessante ­Exponate sichern konnten, zum Beispiel eine umfangreiche historische Werkstatteinrichtung und auch weitere Fahrzeuge, wurde mit dem Bau eines eigenen Museumsgebäudes mit Hilfe von Sponsorenunterstützung begonnen. Auf dem Gelände des früheren Kleinbahnhofs Enger entstand neben dem noch erhaltenen alten Empfangsgebäude eine dreigleisige Halle mit Anbauten, angelehnt an den Stil der früher allerdings sehr viel weitläufigeren Gesamtanlage des Gemeinschaftsbahnhofs.

An weiteren Fahrzeugen übernahm der Verein Ende 2003 von den SULO-Werken die regelspurige Rangierlok der Herforder Kleinbahnen, eine Köf des Baujahrs 1946. Sie kam 1966 zu SULO, dem ehemaligen Hauptanschließer der Kleinbahn, verbrachte viele Jahre im Zweigwerk in Fulda und ist noch heute voll funktionsfähig. Ein Dreischienengleis erlaubt im Museum kurze »Ausfahrten«. Aktuell noch nicht auf dem Museumsgelände, sondern in Bielefeld zur Aufarbeitung ist ein vierachsiger, inzwischen über 100-jähriger Personenwagen der Bielefelder Kreisbahn, hergestellt von Weyer. Er kam nach deren Stilllegung als Nr. 105 zur Borkumer Inselbahn. Die letzten knapp zehn Jahre verbrachte er allerdings ungenutzt im Freien bei der Brohltalbahn, was der Substanz des Holzaufbaus erwartungsgemäß nur wenig zuträglich war. Nach seiner vollständigen Restaurierung wird auch er in Enger gezeigt werden.

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