Essen-Mülheims Linie 104: Kaputtgespart?

Seit 2. April wenden wegen der maroden Gleise alle Straßenbahnen der Linie 104 bereits am Hauptfriedhof. Dieser »vorübergehenden« Maßnahme folgte der Stadtratsbeschluss zur Stilllegung der Strecke zum Flughafen Essen-Mülheim.
Mit der Straßenbahn zum Flughafen – das geht in Deutschland jetzt nur noch in Bremen und Erfurt. Doch während in den beiden genannten Städten die Straßenbahn durchaus auch den bequemen Zubringer auf moderner Trasse zur Urlaubs- oder Geschäftsreise darstellt, handelte es sich bei der »Flughafen-Tram« in Mülheim an der Ruhr um eine beschauliche Außenstrecke durch Einfamilien- und Reihenhaussiedlungen entlang der Mülheimer Höhen; Umsteiger zu oder von einer Flugreise suchte man in den Wagen der Linie 104 vergeblich.

Der 1925 gegründete Flughafen Essen/Mülheim, der anfangs einmal der wichtigste Flughafen im Rhein-/Ruhrgebiet war, gilt zwar immer noch als regionaler Verkehrsflughafen, aber es starten längst keine Linienflüge mehr. Dennoch hat der »Airport« bis heute eine gewisse Bedeutung für die Berufspilotenausbildung sowie als Heimat von Luftschiffen oder Kleinflugzeugen, die sich für Rundflüge über das Ruhrgebiet großer Beliebtheit erfreuen.

Letzte Bahn am 1. April
Seit dem 23. November 1928 war der Flughafen mit der Straßenbahn erreichbar. Am Morgen des 2. April 2012 war damit überraschend Schluss. Ohne öffentliche Vorankündigung kappte die Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG) die Straßenbahnlinie 104 am Hauptfriedhof und verwies für die weitere Fahrt zum Flughafen auf einen Pendelbus. Begründet wurde diese Maßnahme mit dem miserablen Zustand der Gleise. Um die Sicherheit der Fahrgäste nicht zu gefährden, sei man gezwungen gewesen, den Schienenverkehr einzustellen, sagte der MVG-Betriebsleiter Klaus-Peter Wandelenus auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz.

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