Ende einer Ära

In Düsseldorf endet im Sommer 2011 der planmäßige Einsatz von Standard-Gelenkwagen der Düwag.
Von Michael Kochems
Die Geschichte des Straßenbahn­wagenbaus der jungen Bundesrepublik wurde rasch von den Entwürfen und Entwicklungen der Düsseldorfer Waggonbau AG (Düwag) dominiert. So fanden die 1951 vorgestellten und nach ausländischen (PCC, Schweizer Standardwagen, s. SM 01–05 2011) Vorbildern entwickelten Großraumwagen schnell Verbreitung und dienten anderen Waggonbauern als Vorbild eigener Konstruktionen (s. S. 34). Doch nach nur wenigen Jahren erwiesen sich die Züge einerseits als zu klein, um den steigenden Kapazitätsbedarf zu decken, andererseits wanderten im Zuge des »Wirtschaftswunders« viele Schaffner in besser bezahlte Industriejobs ab.
Auch in Düsseldorf, das zuvor insgesamt 56 Großraumtrieb- und acht passende Beiwagen in verschiedenen Ausführungen beschafft hatte, hatte sich deutlich gezeigt, dass die Großraumzüge bei hohem Andrang nicht genügend Kapazität besaßen. Außerdem banden sie mindestens drei Arbeitskräfte, nämlich außer dem Fahrer jeweils einen Schaffner pro Wagen. Einen Ausweg aus dem Dilemma bot der Gelenkwagen, wiederum auf Basis ausländischer – in diesem Falle italienischer – Vorbilder. Zuerst Sechsachser
Erneut besaßen die Wagen Fahrgastfluss, der dieses Mal doppelt angelegt war. Zeitkarteninhaber konnten sowohl vorne als auch hinten, Barzahler mussten durch die hintere Tür in den Wagen einsteigen, um beim dort sitzenden Schaffner ihren Fahrschein kaufen zu können. Ausgestiegen wurde  an den beiden mittleren Türen der in Fahrtrichtung rechts mit vier Doppeltüren ausgestatteten Einrichtungs-Fahrzeuge. Erstmals wurde bei diesen Wagen in Düsseldorf die charakteristische, schräg geneigte Frontscheibe nach Vorbild des amerikanischen PCC eingebaut, um durch ein Lüftungsraster den Fahrtwind ins Wageninnere leiten zu können. Außerdem sollte die schräge Stellung helfen, Reflexionen zu verringern.
Im Februar 1956 erhielt die Rheinbahn als erstes deutsches Unternehmen einen solchen Triebwagen, der die Betriebsnummer 2501 erhielt und heute noch als historisches Fahrzeug betriebsfähig erhalten ist.
Bei der Rheinbahn war das erste Einsatzgebiet der zunächst als Solofahrzeuge fahrenden neuen Wagen die stark nachgefragte Linie 1 von Benrath nach Rath, wo sie die überlasteten vierachsigen »Pony-Wagen« 2201 bis 2215 ersetzten.
Insgesamt erwarb die Rheinbahn bei der Düwag 95 Sechsachser:
1956: 2301, 2302, 2401-2410, 2501-2509
1957: 2303-2309, 2311-2313, 2411-2413, 2510-2514
1958: 2314-2320, 2414-2420, 2515-2521
1961: 2421-2440, 2601-2615
Die unterschiedlichen Nummernkreise wiesen auf die Ausstattung mit verschiedenen elektrischen Ausrüstungen hin. Diese stammten von den Herstellern Kiepe, SSW oder AEG.

Mit Beiwagen und weiterem Mittelteil
Weil auch die neuen Gelenkwagen mit dem immensen Fahrgastandrang auf der Linie 1 alleine nicht fertig wurden, erhielten einige Exemplare hinten Scharfenberg-Kupplungen und liefen nun mit vierachsigen Großraumbeiwagen, so dass das Fassungs­vermögen der früheren Dreiwagenzüge aus Niederflur- oder Verbandswagen wieder erreicht wurde.

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