Düsseldorfs Linie U75

Mit einer echten U-Bahn hat sie nicht viel zu tun, meist verkehrt die U75 als klassische Straßenbahn. Es geht durch den Neusser Hafen, über den Rhein und durch enge Häuserschluchten. Sie bietet die letzten Düsseldorfer Klassiker: die GT8SU.
Am Neusser Ende der U75 müffelt es oft, am Düsseldorfer Ende staut es sich oft. Zwischendrin Hafen, Alleen, Rheinbrücke, Tunnel und enge Straßen – kurz: Alles, was man für eine spannende Tour braucht! Die U75 ist eine klassische Durchmesserlinie, die durch ihren „Knicks“ nach Neuss aber eine leichte L-Form aufweist. Sie schafft die 16 Kilometer lange Fahrt von Neuss nach Eller in 43 Minuten.

Und vor allem wochentags ist sie Hochburg der letzten Düsseldorfer Klassiker: Fast alle Kurse sind mit GT8SU-Doppelzügen aus den Baujahren 1973 und 1974 bestückt. Nur vereinzelt verirren sich die jüngeren B80-Doppel auf die U75. Wenn die B-Wagen zu Messezeiten auf der U78 gebraucht werden, ist die U75 sogar fest in den Händen der GT8SU.

Eintönig wird es dann trotzdem nicht: Die meisten Wagen versprühen mit ihrem rot-weißen Lack, den roten Ledersitzen und der beigen Wandverkleidung zwar noch typisches 1970er-Jahre-Flair. Aber: Die insgesamt noch 32 einsatzbereiten GT8SU werden nach und nach einer kleinen Modernisierung unterzogen.

Neben neuen Sitzen, neuer Wandverkleidung und neuen Kupplungen bekommen sie auch eine neue Lackierung in grau/rot. Daran kann selbst der Laie sofort erkennen, dass der Wagen einer Frischzellenkur unterzogen wurde. Die ersten modernisierten Pärchen sind schon unterwegs, der Rest folgt im Laufe des Jahres 2013. So sollen die aufgemöbelten GT8SU noch bis 2017 in Düsseldorf im Einsatz stehen – die ersten Wagen sind dann immerhin 44 Jahre alt!

Noch wesentlich älter sind die Wurzeln der heutigen U75. Als Deutschland noch ­einen Kaiser hatte, hatte Düsseldorf auch schon eine Straßenbahnanbindung in das benachbarte Neuss. Ab 1901 fuhr die Straßenbahn zunächst über den Rheindeich nach Neuss. Da man aber befürchtete, dass der Deich die Last der Straßenbahnen auf Dauer nicht unbeschadet überstehen würde, wurde die Tram ab 1912 durch den Düsseldorfer Ortsteil Heerdt geführt.

Mit Eröffnung der Südbrücke 1929 bekam Neuss einen zweiten Schienenanschluss und die beiden Strecken wurden zu einer Ringlinie Düsseldorf – Heerdt – Neuss – Südfriedhof – Düsseldorf zusammengefasst. Zwar wurde der Ringverkehr zwischendurch immer mal wieder getrennt, aber erst in den 1980er-Jahren endete er gänzlich.

Auf dem Ast Neuss – Heerdt – Düsseldorf fuhr schließlich bis 1993 die Linie 705, seit der Tunnelverlängerung bis zur Ronsdorfer Straße in Düsseldorf trägt diese die heutige Bezeichnung U75. Anfangs verkehrte sie noch zwischen Neuss Stadthalle und Düsseldorf-Eller. Ende der 1990er wurde die U75 aber zum Neusser Hauptbahnhof zurück gezogen, weil die hochflurigen Stadtbahnwagen besonders in der Neusser Fußgängerzone zu mächtig erschienen.

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