Die InnoTrans 2010

Die Bahnbranche boomt, die InnoTrans als weltweit größte Fachmesse auch – doch im Bereich Straßenbahn war dieses Mal wenig von einem Boom zu spüren.

Na ja, das war ja recht mager, was die InnoTrans 2010 zu bieten hatte. Mager? Wieso mager? Noch nie waren so viele Aussteller vertreten wie dieses Mal, noch nie war so viel Ausstellungsfläche belegt und noch nie kamen so viele Besucher. Die Eisenbahnbranche befindet sich doch weltweit im Auftrieb, nur wenige Industrien weisen global solche Wachstumsraten auf!

Die nackten Zahlen, stolz von der Messe Berlin verkündet, lauten: 106.612 Fachbesucher aus 110 Ländern seien rund 20 Prozent mehr als 2008. Mit einer Steigerung der Ausstellerzahl auf 2.242 Firmen aus 45 Ländern, einer Vergrößerung der Ausstellungsfläche um 20 Prozent und 52 Weltpremieren innovativer Produkte habe die InnoTrans bei allen Kennziffern zugelegt – die Krise ist also mindestens vorbei. So weit das Fazit der Veranstalter, und das ist ihnen auch zu gönnen.

Und wenn nur zehn Prozent von dem eintrifft, was die Branche sich erhofft, so werden die Werkshallen und die Auftragsbücher auf Jahre hin gut gefüllt sein. Für den Bereich des Nahverkehrs, speziell der Straßenbahn, jedoch hinterließ die InnoTrans 2010 einen eher übersichtlichen Eindruck.

Das betrifft nicht so sehr die Zahl der ausgestellten Straßenbahnen – die war gar nicht so klein. Immerhin vier moderne Niederflurwagen und vier U-Bahnen konnten im Freigelände in voller Pracht begutachtet werden. In den Hallen war es dann schon eher übersichtlich, und wer sah, dass sich zwei Hybridbusse ebenfalls darstellten, kann sich denken, welch Druck in den nächsten Jahren auf die Straßenbahnen hierzulande zukommen kann. All das muss nicht sein, aber es spricht schon Bände, wenn auf der größten Fahrzeugschau der Welt das einzige neue Fahrzeug für einen deutschen Betrieb der DT5 der Hamburger Hochbahn ist.

Wenig Neues unter Berlins Sonne

Immerhin bot die InnoTrans einige recht sonnige Tage, die die Ausstellungsstücke in gutes Licht setzten. Alstom, mit dem Citadis derzeit Weltmarktführer bei Niederflurtrams, zeigte im BOStrab-Bereich nur den zweiten Zug der DT5-Reihe für Hamburg. Mit seinen unlackierten Edelstahlwänden und seinem betont kantig-bauchigen Design bildete der Zug einen interessanten Farbtupfer im buntlackierten Einerlei der großen Bahnen. Geradezu altmodisch wirkte er gegen die vollautomatischen U-Bahnen anderer Hersteller, doch macht sich Modernität nicht bloß daran fest, ob ein Fahrer vorne sitzt oder nicht.

Alstom zeigte am Stand als Modell dann immerhin noch den Citadis-Dualis, der derzeit bei Nantes seine ersten Einsätze erlebt. Zu aktuellen Streitfragen, wie der, wer denn nun Hannovers TW3000 bauen wird, schwieg man eher (s.u.). Es scheint derzeit, dass Alstom auf dem deutschen Straßenbahnmarkt mehr und mehr auf Kooperationen mit Herstellern wie HeiterBlick oder Vossloh setzt; ob künftig aus Salzgitter (nach den derzeit in Bau befindlichen Magdeburgern) noch weitere Trams kommen werden, wird sich zeigen. Dreh- und Fahrgestelle werden dagegen verstärkt dort gefertigt, auch für die anderen Werke des Konzerns, auch und gerade für den Citadis.

Ansonsten setzte Alstom vor allem auf die große Bahn, man zeigte mehrere Lokomotiven und einige Regionaltriebzüge und ließ seine deutschen Werke das Messe­geschäft betreiben.
Von den beiden anderen Großen boten weder Bombardier noch Siemens etwas für den Straßenbahnfreund – letztere zeigten im Freigelände immerhin ein Modell des neuen City-Val, einer total verglasten, vollautomatische betriebenen Gummireifen-U-Bahn, die die Nachfolge des vor allem in Südeuropa erfolgreichen VAL-Systems antreten soll. Siemens zeigte interessanterweise überhaupt nichts aus dem Bereich Straßenbahn – sieht man einmal von angebotenen Automatisierungstechniken ab. Dabei ist man in den USA mit dem Avanto nach wie vor Marktführer und bietet auch in Europa ab und an noch ein Fahrzeug aus der Combino-Reihe an, auch wenn neue Crash-Normen mehr Aufwand verlangen.

Nach dem Wasserschaden in Bautzen

Bei Bombardier muss man erst einmal die Folgen des Neisse Hochwassers vom August verkraften – dadurch wird sich nicht nur die Lieferung der neun für Leipzig in Bau befindlichen XXL verzögern, auch andere laufende Niederflur-Aufträge sind betroffen. Immerhin gab es am Stand recht ausgiebiges Material zum Flexity2 – aber weder Modell oder gar Mock-Up. Im Freigelände zeigte Bombardier einen neuen U-Bahnzug aus der MOVIA-Familie für London. Ansonsten warb Bombardier noch für seine fahrdrahtlose Stromversorgung Primove, die jetzt in Augsburg praktisch erprobt wird, mit einer eigens adaptierten RNV-Variobahn?

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