Deutsche Gebrauchtwagen in Osteuropa

Seit Beginn der 1990er-Jahre gaben deutsche ­Straßen­bahnbetriebe weit mehr als 1000 Straßenbahnwagen an osteuropäische Länder ab. Die meisten kamen nach Rumänien, doch auch in Polen und Ungarn laufen »alte Deutsche«.
Durch das Eintreffen neuer Niederflurwagen wurden in Deutschland in den 1990er-Jahren zunehmend konventionelle, jedoch noch voll funktionsfähige Straßenbahnfahrzeuge verzichtbar. Statt auf den Schrott, gelangten viele davon vorwiegend durch das Engagement des 2005 verstorbenen Günter H. Köhler nach Rumänien.

Teilweise war die Abgabe aufgrund von Schenkungsverträgen möglich, im weiteren Verlauf zahlten die Abnehmer überwiegend symbolische Beträge. Eine Kostenübernahme für die Transporte war lange mit GTZ-Fördermitteln möglich, doch schließlich mussten die empfangenden Betriebe sich selbst darum kümmern. Die Maßnahme stellte eine willkommene Möglichkeit dar, in schwierigen Zeiten des Umbruchs und gesellschaftlicher Neuorientierung ein attraktives ÖPNV-Angebot aufrechtzuerhalten.

Die Zweithand-Fahrzeuge bedeuteten in vielen Fällen eine bisher nicht gekannte Qualität, denn in den meisten osteuropäischen Ländern befand sich der vorhandene eigene Wagenpark aufgrund von Materialproblemen und Schwierigkeiten bei der Ersatzteilbeschaffung in einem relativ schlechten Zustand.

Das eindrücklichste Beispiel für die Wertigkeit der »Gebrauchtwagen« stellt gewiss der kleine Trambetrieb in Resita am Rande des Banater Berglandes dar. Ohne die aus Dortmund erhaltenen Achtachser wäre dieser Betrieb bereits wenige Jahre nach seiner Eröffnung im Jahre 1989 zum Erliegen gekommen. Aufgrund der schlechten Materialqualität von Gleisanlagen und Fahrzeugen konnte im Herbst 1994 keine Tram mehr ausrücken.

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