Bremens Straßenbahn Linie 4 - Das verbindende Element

Nach 20 Jahren Projektierung führt die Bremer Straßenbahn Linie 4 seit 1. August 2014 bis in die niedersächsische Gemeinde Lilienthal nordöstlich der Hansestadt. Ein guter Ausgang für ein langwieriges Vorhaben voller Herausforderungen.
Die Bundesländergrenzen überschreitende Linie 4 ist in Bremen nun Realität. Zahlreiche Schwierigkeiten und hartnäckige Widerstände galt es in über zwei Jahrzehnten zu überwinden. Als alles auf der Zielgeraden schien, ging der ausführende Generalbauunternehmer in Insolvenz – eine erneute Verzögerung, welche die Nerven der baustellengeplagten Lilienthaler erneut strapazierte. Nun ist alles geschafft: Seit dem 1. August 2014 verbindet der dritte Bauabschnitt der Linie 4 als erste bremische Landesgrenzen überschreitende Tramlinie Bremen mit Niedersachsen. Um 5,6 Kilometer ist sie nun beginnend in Bremen-Borgfeld bis Falkenberg gewachsen.

Ausgangssituation

Am Anfang stand ein drängendes Problem: Lilienthal litt als aufstrebende und stark auf Bremen ausgerichtete Gemeinde zunehmend unter dem motorisierten Individualverkehr. Die öffentlichen Verkehrsverbindungen kennzeichnete hingegen mangelnde Attraktivität. Auch die Einrichtung von Schnellbussen brachte nicht die gewünschte Verbesserung. Der Gemeinderat musste reagieren. Unterschiedliche politische Strömungen führten zur vielzitierten „Ja, aber“-Entscheidung: Tram ja, aber nur mit Ortsentlastungsstraße.

Ein entsprechender Doppelbeschluss wurde gefasst, jedoch 2003 wieder aufgehoben. Zu diesem Zeitpunkt hatte Bremen gerade den zweiten Bauabschnitt der Linie 4 fast bis an die Landesgrenze bei Bremen-Borgfeld eröffnet. Da beide Projekte – die Verlängerung der Tram wie die Ortsentlastungsstraße – notwendigerweise aufgrund des grenzüberschreitenden Charakters sowohl Niedersachsen als auch Bremen berühren, entstanden durch den zeitweisen Wankelmut der Lilienthaler ernste Verstimmungen zwischen den Partnern.

Die Lage entspannte sich erst nach einer Bürgerbefragung, an der sich über die Hälfte der Lilienthaler BürgerInnen beteiligten. Sie brachte im Ergebnis eine klare Zustimmung zur Straßenbahn durch die Gemeinde. Doch der Weg für die Tramverlängerung war noch nicht frei. Kostensteigerungen verursachten noch einmal eine Konfrontation im Gemeinderat. Dieser sprach sich 2009 mit knapper Mehrzeit gegen das Tramprojekt aus. Intensive Gespräche auf allen politischen Ebenen diesseits und jenseits der Wümme bewirkten schließlich ein Umschwenken. Somit war der  Weg für die grenzüberschreitende Straßenbahnlinie frei. Die Baumaßnahmen begannen im Mai 2011.

Die neue Strecke

An der nach dreijähriger Bauzeit eröffneten Strecke liegen zehn neue Haltestellen. Wo möglich, ist sie auf eigenem Bahnkörper trassiert. An vielen Stellen nutzt die Linie 4 jedoch gemeinsam mit dem übrigen Verkehr den Straßenraum. Aufgrund beengter Platzverhältnisse besteht zwischen den Haltestellen „Auf dem Kamp“ und „Kutscher Behrens“ eine eingleisige Führung. Hier gibt es wegen der hohen Straßenbelastung durch den Individualverkehr in jede Richtung eine eigene Fahrspur.

Dieser Bereich unterliegt, wie auch die übrigen Übergänge von Eigentrassierung auf Straßenmitbenutzung, spezieller signaltechnischer Sicherung. Ein kurzes Teilstück der Strecke befindet sich auf bremischem Gebiet und überquert auf einem neu errichteten Vorfluter-Brückenbauwerk den Rand des Naturschutzgebietes Borgfelder Wümmewiesen. Mittels Lichtsignalanlage eingefädelt, nutzt die Straßenbahn anschließend die 1995 erneuerte Brücke über die Wümme. Kurz darauf überschreitet sie die Landesgrenze und in fährt in die erste Haltestelle des neuen Abschnitts „Truperdeich“ ein. Diese befindet sich auf dem Brückenbauwerk über die Wörpe, den zweiten hier verlaufenden Fluss.

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