Braunschweigs neues Netz kommt an: Metrolinien der ­Mobilitätsdienstleiter

2009 war für die Braunschweiger Verkehrs-AG ein Erfolgsjahr: Überdurchschnittliche Fahrgastzuwächse sprechen für den Erfolg des seit 12. Juli 2009 betriebenen Netzes. Von Stefan Vockrodt

Nach zwei turbulenten Jahren lud der Vorstand der Braunschweiger Verkehrs-AG im April 2010 zu einer Bilanz. Dabei ging es um viele Zahlen, Daten und Fakten – und nur nebenbei um die finanzielle Bilanz. Schon das unterscheidet die heutige Darstellung des Unternehmens von der Zeit, als der im April 2009 entlassene Vorstandschef Thies Hinckeldeyn der Verkehrs-AG einen sturen Kostenminderungskurs verordnet hatte. Seither leitet der frühere Co-Vorstand Georg Hohmann das Unternehmen allein.

Hoher Zuwachs an ­Fahrgästen

Jetzt scheint ein anderer Wind zu wehen, oder liegt es nur an dem schönen neuen ­Betriebshof samt Verwaltungsgebäude, den die Verkehrs-AG Anfang 2009 beziehen konnte? Wenn sogar sonst äußerst kritische ­Bürgervertreter wie die im Verein »braunschweiger forum«, einem Verein für bürge­rnahe Stadtplanung, zusammengeschlossenen Bürger, Planer und Architekten dem Betrieb ein gutes Zeugnis ausstellen, Straßenbahnen und Busse sauberer als früher, pünktlicher als früher und dabei auch voller als früher fahren, das Personal im Großen und Ganzen freundlicher als früher auftritt, zeugt das von sich wandelnder Unternehmensphilosophie, aber auch von einem verbesserten Betriebsklima.

Tatsächlich kann die Braunschweiger Verkehrs-AG auf ein recht erfolgreiches Jahr 2009 zurückblicken. Nachdem zuvor über Jahre hinweg die Fahrgastzahlen sanken, scheint das zum 12. Juli 2009 eingeführte neue Netz einzuschlagen: Mit 33,5 Millionen Fahrgästen konnte 2009 gegenüber 2008 ein Zuwachs von 1,1 % erreicht werden, der deutlich über dem bundesweiten Trend liegt. Und für das erste Quartal 2010 vermeldet das Unternehmen sogar eine um 13 % gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gestiegene Fahrgastzahl. Allerdings, so räumten Vorstand Hohmann und Marketingleiter Dirk Bartels gegenüber dem STRASSENBAHN MAGAZIN ein, dürfte dies vor allem auf den auch in Braunschweig schneereichen und langandauernden Winter zurückzuführen sein.

Das neue Liniennetz

Das neue Liniennetz umfasst bei der Straßenbahn nur noch fünf, ganztägig und auch am Wochenende verkehrende Linien, die alle als »Metrolinien« bezeichnet sind:

• M1    Stöckheim – Wenden   
• M2    Heidberg – Siegfriedviertel (über Leisewitzstraße)   
• M3    Weststadt-Weserstraße – Volkmarode
• M4    Radeklint – Krematorium   
• M5    Broitzem – Hauptbahnhof

Werktags von 7 bis 19 Uhr fahren die Linien alle zehn Minuten (M1, M3, M5) bzw. alle 15 Minuten (M2, M4). Am Abend und am Wochenende fährt Linie M2 fallweise auch über den Hauptbahnhof. Im Spätverkehr bedient die M1 die Endstelle der M2 am Heidberg mit. Seit dem Fahrplanwechsel am 12. Juli fährt Linie M3 allerdings nicht mehr nach Volkmarode, sondern endet am Radeklint. Mindesten bis zum Frühjahr 2011 muss diese Führung beibehalten werden. Grund ist die Sanierung der Fallersleber Straße, der Humboldstraße und der Brücke am Botanischen Garten. 1904 als eine der ersten Betonbrücken Deutschlands errichtet, war diese seit Jahren baufällig und durfte nur im Schritttempo befahren werden, wobei in den letzten Jahren eine Ampelanlage sicherstellen sollte, dass nur eine Tram die Brücke befuhr.

Bis Oktober 2009 wurde die alte Brücke abgebrochen. Schon jetzt ist klar, dass die ursprünglich für Dezember 2010 vorgesehene Wiedereröffnung sich um mehrere Monate verzögern wird. Grund sind nicht nur Klagen unterlegener Anbieter und eine ausgesprochen langsame Bauausführung, sondern auch der Winter führte hier zu weiteren Verzögerungen. Der Ast nach Volkmarode wird daher derzeit im Busersatzverkehr bedient.

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