Bonn: Vor 100 Jahren startete die Siebengebirgsbahn

Vom Rheinufer ins Siebengebirge: Inspiriert von der Rheinuferbahn, fuhren die Züge anfangs mit gediegenen schweren Vierachsern, ehe ab 1960 aus der Vorortbahn eine moderne Schnellstraßenbahn wurde. Von Axel Reuther
Schon 1891 fuhr eine Schmalspurbahn von Hennef nach Beuel, die 1899 durch einen Abzweig von Niederpleis auch die aufblühende Industriestadt Siegburg anband. Damit bestand eine erste Schienenverbindung von Siegburg bis vor die Tore Bonns. Sie war allerdings wenig leistungsfähig und die Fahrt umständlich und zeitraubend.
Zwischen Beuel und Honnef reihten sich auf dem rechten Rheinufer zahlreiche Weinbauorte aneinander, von denen besonders Königswinter am Fuße des Siebengebirges durch die 1883 bzw. 1889 eröffneten Dampf­zahnradbahnen auf den Drachenfels und den Petersberg eine besondere Anziehungskraft auf Touristen ausübte. Aus dem Linksrheinischen war der Bereich aber sehr schlecht zu erreichen. Vorortbahnen zwischen Bonn und Siegburg bzw. Königswinter versprachen also gute  Geschäfte. Dies rief etliche Unternehmen auf den Plan, die den Bau elektrischer Bahnen in Richtung Bonn anboten.

Vorbild Rheinuferbahn
Ende Januar 1906 nahmen die Cöln-Bonner Kreisbahnen (CBK) die Rheinuferbahn Köln – Wesseling – Bonn als erste elektrische Stadtschnellbahn Deutschlands in Betrieb. Damit bekam die Planung elektrischer Vorortbahnen nach Siegburg und Königswinter Auftrieb, denn so eine schnelle und leistungsfähige Verbindung wollten die Bonner und ihre Nachbarn nun auch haben. Der Eisenbahn- und Betriebsdirektor der CBK erhielt den Auftrag, ein entsprechenden Projekt auszuarbeiten, das 1907 vorlag. Es sah den Bau zweier Strecken von Bonn nach Siegburg und Königswinter vor, wobei letztere bei Beteiligung von Honnef dorthin verlängert werden konnte. Im Bonner Stadtgebiet sollten die Gleise der städtischen Straßenbahnen mitbenutzt werden.

Die Gründung der »SSB«
Noch im gleichen Jahr erhielt die Stadt Bonn eine erste Baugenehmigung von der königlich preußischen Regierung in Köln. 1909 gründeten die Stadt und Landkreis Bonn gemeinsam mit dem Siegkreis eine Bahngesellschaft mit dem sperrigen Namen »Elektrische Bahnen der Kreise Bonn Stadt, Bonn Land und des Siegkreises«, im allgemeinen Sprachgebrauch wurde die Bezeichnung »Siebengebirgs- und Siegburger Bahn« mit der Abkürzung SSB üblich.
Jeder der drei Namensgeber beteiligte sich mit 33 Prozent am Projekt, dessen Gesamtkosten auf über 5 Mio. Mark veranschlagt waren. Am 18. September 1910 wurde die Konzession für die Siegburger Strecke erteilt, so dass hier sofort mit dem Bau begonnen werden konnte. Für die Verbindung nach Königswinter zogen sich die Verhandlungen wegen Schwierigkeiten beim Grunderwerb in die Länge, weshalb am 26. Januar 1911 zunächst nur das Teilstück Bonn – Oberdollendorf genehmigt wurde.

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