Mit der Tram ins Casino

Baden-Badens Straßenbahn: stillgelegt vor 60 Jahren

Fast genau 41 Jahre fuhr die ­Straßen­bahn in der Casinostadt. Am 24. Januar 1910 wurde die Baden-Badener Straßenbahn eröffnet und am 27. Februar 1951 wieder stillgelegt.

Baden-Baden war und ist bis heute, trotz mancher Veränderungen, eine bekannte, berühmte und viel besuchte Bäderstadt und das seit weit über 1.000 Jahren. Viele gut erhaltene Bad­ruinen zeugen von der Bedeutung der römischen Stadt »Civitas Aurelia Aquensis«. Nachweislich hat schon Kaiser Trajan hier eine Militärstation erweitert und Bäder eingerichtet, Hadrian, Caracalla und andere bauten die Bäderstadt aus. Nach dem Untergang des römischen Reiches traf Baden-Baden das gleiche Schicksal wie andere Städte Europas: Blütezeiten, Kriege, Seuchen, Zerstörungen.

Erst ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts setzte die Entwicklung zur attraktiven mondänen Bäderstadt ein. Sie blieb es, wenn auch seit Beginn des Ersten Weltkrieges in abgewandelter Form, bis heute.

Im Tal der Oos
Baden-Baden liegt im klimatisch günstigen, windgeschützten Tal des Flüsschens Oos. Der Hauptverkehr lief und läuft in der Rheinebene außen an der Stadt vorbei; erst seit dem Bau der Schwarzwaldhochstraße (B 500) aus Erschließungs- und später strategischen Gründen zwischen 1932 und 1938 gibt es einen Durchgangsverkehr, der 1989 durch einen Straßentunnel aus der Innenstadt herausgeleitet wurde.

Auch die erste badische Hauptbahn, 1844 von Karlsruhe nach Offenburg verlängert, verlief naturgemäß in der Rheinebene. Baden-Baden blieb abseits. Aber nicht lange. Schon ein Jahr später fuhr der erste Dampfzug auf der vier Kilometer langen Strecke von Oos nach Baden-Baden. Sie war damals die erste von einer Hauptstrecke in ein Seitental abzweigende Stichbahn Deutsch-lands. Zehn Jahre nach dem Bau, 1855, wurde die Bahn von der badischen Breitspur von 1.600 mm auf Normalspur umgebaut, seit 1908 war sie zweigleisig und seit 1958 elektrifiziert.

Die Bahn hatte immer einen starken Pendelverkehr aufzuweisen, zeitweise fuhren über 40 Zugpaare täglich, es gab Kurswagen nach Berlin und Paris und die Züge führten in der Regel die 1.,2. und 3. Klasse. Ab den 1960er-Jahren reisten jedoch immer mehr Kurgäste und Touristen mit PKW und Bus an, der Verkehr nahm ständig ab und 1977 wurde die Strecke stillgelegt und abgebaut. Pläne, die Stichbahn als Karlsruher Stadtbahn wieder auf zu bauen und ins Stadtzentrum zu führen werden derzeit nicht mehr weiterverfolgt.

Vom Bahnhof in die ­Stadtmitte
Die Bahnlinie endete ca. einen Kilometer vor der Stadtmitte. Der alte hölzerne Stadtbahnhof wurde 1895 durch ein pompöses neoklassizistisches Empfangsgebäude ersetzt, das heute wunderschön restauriert in das neue Festspielhaus integriert ist. Ein Teil der alten eisernen Bahnhofshalle überspannt die Gleise des Bahnhofs Bad Herrenalb der AVG.

Die Stadt war sehr gut an das deutsche Eisenbahnnetz angebunden. Wie aber sah es mit dem innerstädtischen Verkehr aus? Die reichen Kurgäste hatten ihre eigenen komfortablen Kutschen und Equipagen und es gab eine Vielzahl von Fiakern für die, die es sich leisten konnten. In einem Reiseführer von 1884 sind »Stadt- und Packdroschken von der Stadt nach der Eisenbahn und zurück« verzeichnet, außerdem ein »Omnibus nach Lichtental vom Bahnhof (im Sommer täglich 3 mal) à Person 55 Pfg.« Ansonsten ging man zu Fuß. Das änderte sich ab 1906, zu einer Zeit, als bereits der Bau einer Straßenbahn geplant wurde. Ein Fuhrunternehmer eröffnete eine stündlich verkehrende Pferdeomnibuslinie von der Weststadt in die Stadtmitte, die bis zur Eröffnung der Straßenbahn bestand. Der öffentliche innerstädtische Verkehr war geschaffen.

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