Gute Aussichten für ­Hochzoll

Augsburg: Neue Linie 6 fast auf altem Weg

Von 1920 bis 1960 verband die Linie 6 der Augsburger Straßenbahn das Stadtzentrum mit Hochzoll. Im Dezember 2010 wird – fast genau auf der ­alten Trasse – die Linie 6 als ­moderne Stadtbahn wieder auferstehen.

Fast genau 90 Jahre nach ihrer Ersteröffnung und 50 Jahre nach ihrer Einstellung wird die Augsburger Linie 6 Hauptbahnhof-Hochzoll als Neubaustrecke wieder in Betrieb genommen.
Bei Eingemeindung des Dorfes Hochzoll in die Stadt Augsburg im Jahre 1912 wurde die Anbindung des neuen Stadtteils durch eine Straßenbahnlinie vereinbart. Nachdem bis 1915 mit Verbreiterung der Margaretengasse im Augsburger Stadtzentrum Vorarbeiten geleistet wurden, konnte am 10. Juli 1920 die neu gebaute Linie 6 Perlachturm – Hochzoller Lechbrücke in Betrieb genommen werden.

Sie führte nach Verlassen des Stadtzentrums weitgehend eingleisig über Prinz- und Lotzbeckstraße und dann weiter über freies Feld am Alten Heuweg (diese noch heute gültige Straßenbezeichnung weist auf den landwirtschaftlichen Zweck des Weges hin, dem er damals tatsächlich noch diente) und auf der Friedberger Straße zum Lech; im Bereich des heutigen Don-Bosco-Platzes befand sich eine Ausweichstelle. An der Lechbrücke gab es neben einem Umfahrgleis zum Umsetzen der Triebwagen ein Stichgleis zum Abstellen während der Schwachlastzeiten nicht benötigter Beiwagen. Der innerstädtische Endpunkt wurde ­einige Zeit später vom Perlachturm zum Hauptbahnhof verlegt.

Mit Maximum-Triebwagen zum Lech
In Nähe der Lechbrücke lagen schon damals beliebte Ausflugslokale, so dass die Linie nicht nur von in anderen Stadtteilen arbeitenden Hochzoller Bürgern intensiv genutzt wurde, sondern ebenso als »Freizeitlinie« diente. Eingesetzt wurden zunächst überwiegend Maximum-Triebwagen mit Torpedodach des Hauslieferanten MAN der Baujahre 1913/15 und 1920.
Eine Weiterführung bis zur im Zentrum des Anfang 1913 eingemeindeten Stadtteils Hochzoll gelegenen Zugspitzstraße wurde technisch erst nach dem Neubau einer tragfähigeren Lechbrücke 1928 möglich. Die wirtschaftliche Lage verzögerte den Weiterbau jedoch bis 1933, als dieser im Rahmen von – noch vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten etablierten – staatlichen Arbeitsbeschaffungsprogrammen begonnen wurde. Der Betrieb bis ins Hochzoller Zentrum startete am 9. Mai 1934.

Während die Linie 1920 ohne große Zeremonie eröffnet wurde, wurde die Verlängerung ausgiebig gefeiert, dazu waren unter anderem die Maximum-Triebwagen mit Tonnendach Nr. 159 und 172 der Baujahre 1926/28 mit Girlanden geschmückt. Hakenkreuzfahnen im Hintergrund der Fotos lassen vermuten, dass die braunen Machthaber den Anlass zur Propaganda für ihre Ziele zu nutzen wussten. Die Streckenlänge betrug damit gut 4,9 Kilometer. Eingesetzt wurden sechs Kurse, bei Verlängerung bis zur Bayerstraße (heute Bürgermeister-Bohl-Straße) in Pfersee im abendlichen Berufsverkehr wurden neun Kurse benötigt.

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