Airbus auf Schienen

Frankreich: Die neue Straßenbahn in Toulouse. Über 50 Jahre nach Stilllegung der alten Tram und 25 Jahre nach der Entscheidung für eine Metro kehrt die Straßenbahn nach ­Toulouse in Südwestfrankreich zurück.
Schon in den 1970er-Jahren, nach der Gründung des »Syndicat Mixte des Transports en Commun« (vergleichbar einem Verkehrsverbund), entstand ein Projekt zur Wiederbelebung der öffentlichen Verkehrsmittel im Ballungsraum Toulouse, bekannt als Montageort der Großflugzeuge der Airbus-Familie (hier werden die A 380 montiert). Es sah den Bau von drei Verkehrsachsen – jeweils auf eigener Trasse – vor: Von Nordosten nach Südwesten (Le Mirail – Jolimont), von Nord nach Süd (Barrière de Paris – Rangueil) sowie im Westen (St Cyprien – Colomiers).
Die ersten beiden Achsen (Linie A, eröffnet 1993; Linie B, eröffnet 2007) wurden als   automatische Metro mit VAL-Technologie von Matra und Siemens realisiert. Die dritte Achse (Linie C, Arènes – Colomiers) entstand durch die Anpassung der SNCF-Strecke Toulouse – Auch. Hier fahren heute Eisenbahn-Triebwagen im Taktverkehr.

Der lange Weg zur neuen Tram
Das starke Wachstum von Toulouse, heute die viertgrößte Stadt Frankreichs, führte schließlich dazu, weitere Linien auf ­eigener Trasse zu planen. Bestimmte Verbindungen wurden in Form von Buslinien auf eigener Spur im Osten und Südosten realisiert. Zur Anbindung des nordwest­lichen Ballungsraums entschied man sich hingegen für eine Straßenbahn. Studien hatten ergeben, dass dieses System dem betreffenden Raum, seiner Dichte, seiner öffentlichen Verkehrsanforderungen und dem somit überschaubaren Verkehrsaufkommen angemessen sei. Der Verlauf der Linie E wurde 2004 beschlossen.

Von Achse E zur Linie T1
Mit einer Länge von elf Kilometern und 18 Stationen verläuft die Linie E (für den kommerziellen Betrieb umbenannt in T1) auf den Gemeindegebieten von Beauzelle, Blagnac und Toulouse. An der Haltestelle Arènes besteht Anschluss zur Metrolinie A. Neben den Wohngegenden, die sie durch­fährt, erschließt die Linie T1 auch zahlreiche öffentliche Einrichtungen wie etwa ein ­Krankenhaus, Schulen, eine Universität, ein Theater und ein Einkaufszentrum. Der Betriebshof wurde nahe der nördlichen Endhaltestelle gebaut, welche sich am Ende des »ZAC Andromède« befindet. Dieses neue Viertel, das sich über die Gemeinden Beauzelle und Blagnac erstreckt, liegt gegenüber dem Airbus-Werk. Ein Großteil der Strecke verläuft auf eigener und begrünter Trasse. Eine Ausnahme stellt ein Teil der Ortsdurchfahrt von Blagnac dar. Hier gibt es eine gemischte Trasse, in deren Bereich der sich Tram und Autofahrer (30-km/h-Zone) die Straße teilen.

Die Arbeiten
Bereits im Juli 2007 begannen die ersten Arbeiten in Toulouse und Blagnac mit dem Umbau von Wasser-, Gas- und Stromleitungen. Dann folgte an der Grenze zwischen den beiden Kommunen der Bau des einzigen Kunstbauwerks: eine Brücke, auf der die Straßenbahn eine zum Flughafen führende Umgehungsstraße überquert. Im April 2008 begann der Bau der Werkstatt in Garossos. Am 26. Mai 2008 wurde das erste Gleis nahe des Endbahnhofs Arènes gelegt. Die Trasse war nun auf fast der gesamten Streckenlänge sichtbar. Lediglich die ­De­kon­tamination eines früheren Industriegeländes schritt langsamer voran als geplant und verzögerte die Arbeiten kurzzeitig.

Im Sommer 2009 weitete man die Arbeiten auf diejenigen Gebiete aus, die mit der Erweiterung der Avenue Grande Bretagne großflächig umgebaut wurden. Hier wird in einigen Jahren ein Gewerbegebiet entstehen, das mit den zwei Haltestellen Cartoucherie und Casselardit angebunden wird. Der Gleisbau war im Frühjahr 2010 auf der gesamten Streckenlänge beendet.
Nachdem die Entscheidung für eine schienengebundene Straßenbahn gefallen war, gewann Alstom mit dem Citadis 302 die Fahrzeugausschreibung. 18 Fahrzeuge wurden zunächst fest bestellt. Angesichts der geplanten Verlängerung der Linie sah eine Option sechs weitere Wagen vor, die inzwischen gezogen wurde. Wie es seit einigen Jahren in Toulouse üblich ist, sind die Wagen individuell gestaltet.

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